PORTRÄT JAMES D. WATSON NOBELPREISTRÄGER: : „Schwarze sind weniger intelligent“

Hartmut Wewetzer

Eigentlich wollte James Dewey Watson in Großbritannien nur seine unter dem Titel „Meide langweilige Menschen“ erschienenen Memoiren anpreisen. Doch dann platzte die Bombe. In einem Interview mit der „Sunday Times“ ließ der 79-jährige Entdecker der Doppelhelix und Nobelpreisträger die Zeitungsleser wissen, dass er „tief in Sorge über die Aussichten Afrikas“ sei. Denn die Sozialpolitik gründe auf der Annahme, dass die Intelligenz der Schwarzen „der unseren gleicht – während alle Tests besagen, dass das nicht stimmt“.

Mit seinen Aussagen löste Watson einen Sturm der Entrüstung aus. Die längst ausverkaufte Buchvorstellung im Londoner Wissenschaftsmuseum wurde abgesagt. Bei seinen weiteren Terminen, etwa in Oxford und Cambridge, dürfte zumindest keine Langeweile aufkommen.

Der britische Biologe Steven Rose von der Gesellschaft für soziale Verantwortung der Wissenschaft bezeichnete Watsons Worte als „skandalös“. „Er hat bereits ähnliche Dinge über Frauen gesagt, aber bisher hat er sich noch nicht auf rassistisches Terrain vorgewagt“, sagte Rose. Auch die schwarze Menschenrechtsgruppe „1990 Trust“ warf Watson vor, Rassismus zu fördern.

Aber es gibt auch Verteidiger: „Watson ist kein Rassist“, stellte die Zeitung „Independent“ fest. Doch es bleibe ein Rätsel, warum ein Wissenschaftler seines Formats so sehr vereinfacht. Tatsächlich schneiden Schwarze bei IQ-Tests durchschnittlich schlechter ab als Weiße – und die wiederum schlechter als Asiaten. Allerdings ist die Interpretation dieser Ergebnisse umstritten: Sind die Unterschiede genetisch bedingt? Wie stark sind IQ-Tests durch Erziehung, soziale Herkunft und kulturelle Unterschiede geprägt? Was sagt der Intelligenzquotient über die Intelligenz „im wirklichen Leben“ aus? Viele Wissenschaftler bestreiten anders als Watson, dass Gene, Intelligenz und Hautfarbe direkt miteinander verknüpft sind.

Watson, seit 50 Jahren Direktor des renommierten „Cold Spring Harbor Laboratory“ auf Long Island, liebt die Provokation. Wenn der hagere Mann mit dem schütteren Haar und den weit aufgerissenen Augen bei einer öffentlichen Diskussion zu kichern beginnt, kann man sich auf eine seiner Attacken gefasst machen. Prädikat: Garantiert nicht politisch korrekt.

Kein Zweifel, Watson glaubt an Gene. Oft sei es humaner, die Erbanlagen als Ursache von Störungen anzunehmen als etwa das Versagen der Schule. Er spricht aus Erfahrung. Sein Sohn ist an Schizophrenie erkrankt. „Meine Frau und ich wollten das 30 Jahre lang nicht wahrhaben“, sagt er. „Wir übten großen Druck aus, um ihn unabhängig zu machen. Dabei wollte er einfach, dass wir uns um ihn kümmern.“Hartmut Wewetzer

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