Porträt James E. Cartwright : „Ich fürchte, wir verlieren unsere Moral“

Der ehemalige US-General wird bezichtigt, das Cyber-Kriegsprogramms "Stuxnet" der USA an die Medien verraten zu haben. Dabei war er selbst einer der Ideengeber. Ist Obamas langjähriger Lieblingsgeneral ein Verräter?

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Das Bild zeigt den General stehend von schräg unten, er trägt eine Uniform.
James Cartwright im Jahr 2010 bei einer Anhörung im Senat zum Umgang mit Homosexuellen beim US-Militär (Don't ask, don't...Foto: dpa

Geheimnisverrat auf allerhöchster Ebene? Wenn sich der neue Verdacht bestätigen sollte, stellt sich die Frage, ob es in dieser Zeit überhaupt noch möglich ist, irgendetwas geheim zu halten. James E. „Hoss“ Cartwright, Vier-Sterne-General, ehemaliger Stellvertretender Generalstabschef der amerikanischen Streitkräfte, ist ins Visier der Justiz geraten, weil er das Cyber-Kriegsprogramm der USA gegen die iranischen Atomanlagen an die „New York Times“ verraten haben soll. Dabei war er selbst Ideengeber des Stuxnet-Programms gewesen. Nach dem Fall Snowden ringen die USA aufs Neue um Fassung. Obamas langjähriger Lieblingsgeneral – ein Verräter?

Der Cyberangriff auf die Atomanlagen im Iran war im Sommer 2012 kein Geheimnis mehr. Der Bericht der „Times“ führte dennoch zu großer Aufregung. Präsident Obama habe den Stuxnet-Angriff persönlich angeordnet, hieß es dort. Obama habe die von seinem Amtsvorgänger George W. Bush übernommene Geheimaktion mit dem Codenamen „Olympic Games“ sogar beschleunigt. Als Folge der Indiskretion kam es zu erheblichen Anstrengungen, mögliche Informationslöcher zu stopfen und die Informanten zu enttarnen. Das gipfelte in skurrilen Anordnungen: Wie jetzt bekannt wurde, blockiert die Armee für ihre Soldaten Webseiten des britischen „Guardian“.

Der 63-jährige Cartwright schied vor zwei Jahren aus dem Dienst aus und lebt im Ruhestand. Obama hatte ihn trotz aller Bewunderung übergangen, als es darum ging, den obersten Posten des Generalstabschefs zu besetzen. War das möglicherweise der Grund für seinen Kontakt zur „Times“?

Cartwright war technikbegeistert. Und er hatte Visionen, wie Technik intelligent eingesetzt werden konnte, er hatte Konzepte neuer Kriegsführung vor Augen. Obama holte immer wieder den Rat dieses Mannes. Seinen Aufstieg bis fast ganz nach oben schaffte er, obwohl er als eher schwierig galt. 2009 stritt er gegen die Pläne, weitere Soldaten nach Afghanistan zu entsenden. Damit machte er sich Feinde im Militär.

Vielleicht spricht es für das Pentagon, dass dort selbst ein eigenwilliger Geist eine Chance hat und nicht in erster Linie als Sicherheitsrisiko gesehen wird. Aber sollte sich bewahrheiten, was jetzt vermutet wird, dann war Cartwright ein Risiko. Keine Regierung kommt ohne unabhängige Köpfe aus, aber unabhängige Köpfe lassen sich manchmal nicht zähmen.

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