PORTRÄT JAMIE OLIVER, G-20-KÜCHENCHEF: : "Man muss alles ein bisschen können"

Noch vor einem Jahr wäre der Job, die G-20-Staatschefs zu bekochen, auf Drei-Sterne-Prominenz hinausgelaufen. Nun gibt es Low-Budget-Kost, zubereitet von Jamie Oliver.

Bernd Matthies
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Foto: AFP

Das ist die Krise, ganz konkret: Noch vor einem Jahr wäre der Job, die G-20- Staatschefs beim Gipfel am 2. April in der Downing Street zu bekochen, ganz selbstverständlich auf Drei-Sterne-Prominenz wie Gordon Ramsay oder Heston Blumenthal hinausgelaufen. Nun gibt es, ebenso selbstverständlich, Low-Budget-Kost, zubereitet von Jamie Oliver, dem einzigen Popstar unter den Köchen.

Über die Speisenfolge weiß man bislang nur, dass kein Schwein dabei ist. Vermuten lässt sich ferner: Es wird ein preisgünstiges Mahl ohne Extravaganz geben, serviert von den Azubis aus Olivers Restaurant „Fifteen“, das eher ein Sozialprojekt als ein Gourmet-Treffpunkt ist. Tendenz: viel Nudeln, viel Gemüse. Eine sichere Sache in jeder Hinsicht, denn allein die immense Popularität des 33-jährigen strubbelhaarigen Kochs garantiert, dass es diesmal keinen Ärger gibt wie 2008 in Japan, als die Gastgeber den Stolz auf ihre Küche mit allzu opulenten Menüs ausdrückten.

Oliver steht für pragmatische, schnelle Küche; ein „Spitzenkoch“ im üblichen Sinn ist er nicht, auch wenn das immer wieder floskelhaft behauptet wird. Sein Motto lautet: „Man muss alles ein bisschen können.“ Kochen hat er im Pub seiner Eltern in Cambridge gelernt, absolvierte eine Ausbildung im Westminster Catering College, arbeitete dann in London beim nudelberühmten Antonio Carluccio und schließlich im River Café, wo seine phänomenale Bildschirmpräsenz am Rande einer TV-Dokumentation auffiel. Die erste eigene Sendung „The naked chef“ wurde ein Riesenerfolg, das gleichnamige Kochbuch, dem viele andere folgten, blockierte zehn Wochen lang die Spitze der britischen Bestsellerliste. Er gilt als wichtigster Pionier der weltweit im Fernsehen grassierenden Kochlust.

Tim Mälzer in Deutschland beispielsweise hat erste Erfolge als Oliver-Nachahmer errungen, konnte allerdings nie so gelassen und souverän mit den Erwartungen der Öffentlichkeit umgehen. Oliver setzte sich für benachteiligte Jugendliche ebenso ein wie für gesunderes Schulessen, lernte dabei aber auch die Grenzen seiner Möglichkeiten kennen, denn die Schulaktion wurde ein Flop.

Den zahllosen Fans macht das nichts aus. Sie freuen sich über Olivers Wahl zum G-20-Chef, haben allerdings eine Sorge: Am 2. April soll seine Frau Jools eigentlich ihr drittes Kind zur Welt bringen. Ob ihm die Gipfel-Regie für diesen Fall einen Hubschrauber in die Klinik spendiert? Bernd Matthies

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