Porträt Janine Wissler : Hessens Linke-Fraktionschefin: „Wir sind verlässlich“

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Sie ist 32 Jahre alt, gehört dem hessischen Landtag schon seit sechs Jahren an und gilt als schlagfertige Rednerin. Inzwischen haben die Männer von CDU und FDP sogar ihre Strategie aufgegeben, die Linke im Landtag mit lauten Zwischenrufen aus dem Konzept zu bringen. Für sie sind das nämlich Steilvorlagen. Ein Beispiel: Das Parlament debattiert über „Raumfahrt als Standortfaktor“. Janine Wissler ist an der Reihe. „Oh je, da kommt die Kalaschnikow!“, lärmt ein CDU-Abgeordneter, im antikommunistischen Furor. „Hören Sie jetzt einmal gut zu, Sie Schrotflinte!“, sagt Wissler und stellt dann fröhlich fest: „Jetzt sind wir quitt.“ „Heiterkeit“ notiert das Parlamentsprotokoll.

Dass die Linken in Hessen, anders als in allen anderen westdeutschen Flächenländern, nach der ersten Legislaturperiode nicht gleich wieder gescheitert sind, haben sie vor allem ihrer jungen Frontfrau zu verdanken. Auf Podien, in TV- und Radiorunden vertrat die Diplom-Politologin ihre Sache selbstbewusst und sympathisch. Ausflüge in die marxistische Theorie hat sie sich abgewöhnt. Wissler hätte diesmal auf einem sicheren Listenplatz für den Bundestag kandidieren können. Doch sie ließ sich in die Pflicht nehmen und trat für den Landtag an.

Jetzt macht sie Druck auf SPD und Grüne, die gemeinsame Landtagsmehrheit zu nutzen – und bekommt dabei Unterstützung aus den Gewerkschaften. „Es geht uns nicht um Posten, sondern um einen Politikwechsel“, sagt Wissler. Die Linken lehnen die Schuldenbremse ab und verlangen die Schließung der neuen Landebahn auf dem Frankfurter Flughafen. Aus Sicht der Hessen-SPD sind das nicht verhandelbare Forderungen. „Tolerierung ist möglich“, versichert die Linken-Chefin trotzdem. Sie erinnert daran, dass der erste Anlauf zu Rot-Rot-Grün in Hessen nicht an den Linken, sondern an SPD-Abweichlern gescheitert sei.

„Wir sind verlässlich“, beteuert Wissler. Es wird auch von ihrem Geschick abhängen, ob es mit SPD und Grünen zu echten Verhandlungen kommt – am morgigen Dienstag wollen beide Parteien mit der Linken erstmals sondieren. Für eine Wahl zum Ministerpräsidenten bräuchte SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel 56 Stimmen, Rot-Rot-Grün verfügt im Landtag gerade mal über 57 Mandate. Janine Wissler gibt sich gelassen. Am Wochenende war sie in Nordhessen wandern, auf dem „Urwaldsteig“, „zurzeit eher ein Regenwald“, wie sie von dort twitterte.

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