Porträt : Jann Jakobs: "Keine Rechtfertigung für Sperren"

Im Potsdamer Uferstreit traf Oberbürgermeister Jann Jakobs bei einem ungewohnt kämpferischen Auftritt wohl den richtigen Ton. 24 Stunden später ließ er die Barrieren in Groß Glienicke entfernen. Aber ob das vor Gericht trägt?

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Foto: Thilo Rückeis

Plötzlich sind sie fort, die Wege-Sperren am Groß Glienicker See. Potsdams Stadtoberhaupt hielt Wort, zumindest kurzfristig. Erst am Tag zuvor hatte der sonst eher zurückhaltende Jann Jakobs, SPD, Jahrgang 1953, auf einer Kundgebung in Groß Glienicke klare Worte gefunden. Bei seinem ungewohnt kämpferischen Auftritt traf er wohl den richtigen Ton: Für die Sperrung des seit dem Mauerfall öffentlichen Weges gebe es „keine Rechtfertigung“, „jeder, der hier ein Grundstück kaufte, wusste, worauf er sich einlässt“. 24 Stunden später ließ Jakobs die Hecken-Barrieren entfernen, allerdings mit der waghalsigen Begründung, diese verstießen gegen den Naturschutz. Ob das vor Gericht trägt?

Ach ja, ab durch die Hecke: Da ist es wohl wieder, das große Problem dieses Mannes, der seit 2002 als Nachfolger von Matthias Platzeck Potsdam regiert und bei der OB-Wahl im Herbst für weitere acht Jahre gewählt werden will. Der erst durch Rathaus-Versäumnisse eskalierte Uferkrieg, am Griebnitzsee, jetzt in Groß Glienicke, wirft erneut ein Schlaglicht auf Missstände in der Potsdamer Stadtverwaltung, die weder sein Vorgänger noch er in den Griff bekommen haben, und die zwischenzeitlich durch eine Brandrede von Günther Jauch sogar bundesweit für Schlagzeilen sorgten.

Auch diesmal bewegt sich Jakobs, der sich im Wahljahr keine neuen Pannen leisten kann, auf juristisch dünnem Terrain. Auf politisch dünnem sowieso, denn Potsdams Verhältnisse sind schwer berechenbar. Die Linken, deren Vormann Hans Jürgen Scharfenberg – zu DDR-Zeiten auch IM der Staatssicherheit – Jakobs diesmal schlagen will, sind hier immer noch stark. Und Jakobs ist auch in den eigenen Reihen nicht unangefochten. Selbst Sozialdemokraten sagen ihm eine gewisse Amtsmüdigkeit nach, klagen über Führungsmängel.

Die Potsdamer Jahre haben bei ihm durchaus Spuren hinterlassen. Zu dem hier besonders ausgeprägten Hang zum Prinzipienstreit, zu Klein-Klein und Kirchturmdenken sagte er einmal: „Der Kleingeist kann schon nerven.“ Andererseits hat der gebürtige Ostfriese und verheiratete Vater von vier Kindern, der Sozialpädagogik, Soziologie und Politik studierte, von 1979 bis 1988 Sozialarbeiter in Spandau war und heute mit seiner Familie ein Holzhaus in der Kolonie Alexandrowka bewohnt, durchaus ein stoisches Gemüt. Und das braucht ein Oberbürgermeister in Potsdam allemal. Thorsten Metzner

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