PORTRÄT JAROSLAW KACZYNSKI EX-MINISTERPRÄSIDENT: : „Wir müssen ihr Werk fortsetzen“

Knut Krohn
Foto: dpa
Foto: dpaFoto: dpa

Jaroslaw Kaczynski scheint nach der Katastrophe von Smolensk, bei der er seinen Zwillingsbruder Lech verloren hat, zum Kampf bereit: „Wir müssen ihr Werk fortsetzen“, sagte der Chef der national-konservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) schon kurz nach dem Unglück. Beobachter vermuten, dass Jaroslaw Kaczynski sich entschlossen hat, bei den vorgezogenen Präsidentschaftswahlen anzutreten. Am Mittwoch legte Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski, der in Polen den Titel Sejmmarschall trägt, den Termin für den Urnengang auf den 20. Juni fest. Kommt es zur Stichwahl, findet diese am 4. Juli statt.

Bis zum 6. Mai müssen die Parteien nun 100 000 Unterschriften sammeln. Dieser enge Zeitplan stellt die Partei Recht und Gerechtigkeit und die linke SLD vor enorme Schwierigkeiten. Bei der Katastrophe sind die beiden Spitzenkandidaten, Lech Kaczynski und Jerzy Szmajdzinski, ums Leben gekommen. Die PiS will am Wochenende ihren Kandidaten bekannt geben. Aussichtsreichster Anwärter: Jaroslaw Kaczynski. Allerdings stehen hinter seiner Kandidatur die meisten Fragezeichen.

Wie wird er den Tod seines Bruders verkraften, mit dem er nicht nur politisch sehr eng verbunden war? Bezweifelt wird auch, ob Kaczynski ein guter Präsident wäre. Er ist ein quirliger Kämpfertyp, ein Mann des politischen Tagesgeschäfts, der gerne den Nahkampf mit seinen Gegnern sucht. Schließlich, so geben Kommentatoren zu bedenken, würde seine Wahl das Land in die Erstarrung führen. Mit Premier Donald Tusk, der Kaczynski vor zwei Jahren aus dem Amt des Regierungschefs vertrieben hat, verbindet ihn ein abgrundtiefer Hass. Ein Präsident Jaroslaw Kaczynski würde mit allen Mitteln versuchen, die auf Ausgleich angelegte Politik Tusks zu blockieren.

Allerdings erscheint ein Sieg Kaczynskis zurzeit wenig wahrscheinlich. Eindeutiger Favorit im Rennen um das Amt des Präsidenten ist Bronislaw Komorowski, der seit dem Tod Lech Kaczynskis souverän und ruhig die Geschäfte des Staates führt. Kampflos wird er die Wahl jedoch nicht gewinnen. Gestern schoss das Boulevardblatt „Fakt“ die erste verbale Breitseite gegen ihn ab. „Der Marschall hat den Test nicht bestanden“, titelte die Zeitung und schreibt, dass Komorowski in den Tagen nach dem Unglück mehrfach gezeigt habe, dass er unfähig sei, das Land zu führen. Der Wahlkampf hat begonnen. Knut Krohn

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben