PORTRÄT JEAN-FRANÇOIS COPÉ: : „Meine Arme sind weit geöffnet“

Jean-François Copé heizte als Fraktionsvorsitzender und Generalsekretär der konservativen französischen Partei UMP unter Sarkozy die Debatten über die nationale Identität oder das Tschadorverbot an. Jetzt wurde er zum Präsidenten der konservativen Partei gewählt.

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Er ist der Sieger. 98 Stimmen Vorsprung vor seinem Rivalen François Fillon hat die parteiinterne Kontrollkommission für Jean-François Copé ermittelt. Der bisherige Generalsekretär der „Union für eine Volksbewegung“ (UMP) ist damit zum Präsidenten dieser konservativen französischen Oppositionspartei gekürt worden. Das ist das Ende einer Urwahl, die am Wochenende zum Desaster geriet. Ob es auch das Ende des Machtkampfs der beiden Rivalen ist, steht dahin. Denn die Kontrollkommission hat nach Aussage ihres Vorsitzenden nur die Ergebnisse wieder und wieder zusammengerechnet, die ihr von den Parteiverbänden übermittelt wurden. Dem Verdacht des Wahlbetrugs, den beide Seiten erhoben hatten, ist sie nicht nachgegangen.

Den neuen UMP-Präsidenten kümmert dieser Makel nicht. Mehrheit ist Mehrheit, auch wenn sie mit 50,03 Prozent der 174 000 Parteimitglieder äußerst knapp ausfällt. Auf dem Weg zu Höherem, das sich der 48-Jährige schon als Schüler des noblen Pariser Lycée Victor-Duruy vornahm, hat er jetzt ein wichtiges Etappenziel erreicht. Er wolle einmal Staatspräsident werden, hatte er damals Schulkameraden anvertraut – ein früher Wunsch, der an den eines gewissen Nicolas Sarkozy erinnert, der nach eigener Aussage „nicht nur morgens beim Rasieren“ an das Präsidentenamt dachte.

Copé stammt aus einer angesehenen Arztfamilie, der Vater stammt aus Rumänien, die Mutter aus Algerien. Er absolvierte die Elitehochschulen Sciences Po und Ena, wurde Rechtsanwalt und schloss sich der gaullistischen Bewegung RPR an. 1995 zog er als jüngster Abgeordneter ins Parlament ein. 2002 holte ihn Präsident Jacques Chirac in seine Regierung. Unter Sarkozy zog er es 2007 vor, sich als Fraktionsvorsitzender und Generalsekretär der UMP ein Sprungbrett für weiter reichende Ambitionen zu schaffen. Den Freiraum, der ihm so zur Verfügung stand, nutzte er oft, um Sarkozy rechts zu überholen. So heizte er die Debatten über die nationale Identität oder das Tschadorverbot an.

Bei der Hälfte der UMP kam Copé damit an, die andere fühlte sich zu dem auch außerhalb der Partei angesehenen Fillon hingezogen. Als neuer Parteichef muss Copé beide Lager aussöhnen. „Meine Arme sind weit geöffnet“, versicherte er der Gegenseite. Fillon, der nach seiner Niederlage den „moralischen und politischen Bruch“ der Partei beklagte, bot er das Amt des Vizepräsidenten an. Hans-Hagen Bremer

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