• PORTRÄT JERZY BUZEK, KÜNFTIGER EU-PARLAMENTSCHEF: "Der Vorsitzende spricht im Namen des Europäischen Parlaments, aber auch aus eigener Erfahrung“

PORTRÄT JERZY BUZEK, KÜNFTIGER EU-PARLAMENTSCHEF : "Der Vorsitzende spricht im Namen des Europäischen Parlaments, aber auch aus eigener Erfahrung“

Als polnischer Ministerpräsident war er gescheitert, jetzt macht der Chemiker Buzek in Europa große Karriere - als erster Politiker aus Osteuropa.

Knut Krohn

Der Vorsitzende spricht im Namen des Europäischen Parlaments“, sagte Jerzy Buzek, „aber auch aus eigener Erfahrung.“ Mit der zweiten Hälfte des Satzes scheint Buzek seine Kollegen in der ihm freundlichen Art darauf vorzubereiten, dass er als nächster Präsident des Europaparlaments Akzente setzen wird. Schließlich ist der ehemalige polnische Ministerpräsident der erste Politiker aus den 2004 beigetretenen Staaten des früheren Osteuropa, der eine Spitzenposition in der Union übernimmt. Aus diesem Grund gilt seine Wahl auch als wichtiges politisches Signal für die Beitrittsländer.

Die großen Fraktionen von Konservativen und Sozialdemokraten im Straßburger Parlament haben sich auf den 68-jährigen Buzek als Nachfolger des deutschen CDU- Politikers Hans-Gert Pöttering geeinigt. Nach zweieinhalb Jahren, also der Hälfte der Legislaturperiode, soll der liberalkonservative Pole dann von einem Sozialdemokraten abgelöst werden. Als Favorit gilt der deutsche SPD-Mann Martin Schulz.

Der Aufstieg Buzeks kommt unverhofft. Zwar hatte er sich in den vergangenen Jahren als fleißiger, kompetenter und diplomatischer Politiker in Brüssel einen Namen gemacht, nach seiner Abwahl als Ministerpräsident 2001 galt er aber als politisches Auslaufmodell. Doch Buzek fuhr bei der Europawahl mit fast 400 000 Stimmen das beste Ergebnis aller polnischen EP-Kandidaten ein und meldete sich eindrucksvoll in der ersten Reihe der Politiker zurück.

Wie viele polnische Politiker hat der promovierte Chemiker aus Schlesien seine ersten Erfahrungen als Mitglied der Gewerkschaft Solidarnosc gesammelt. Schon damals trat er allerdings nicht als Kämpfer, sondern eher als vermittelnder Experte in Erscheinung. Diese Eigenschaft schien den damals auch in Polen unbekannten Buzek schließlich 1997 als Chef der „Wahlaktion Solidarnosc“ zum Regierungschef zu befähigen. Zwar konnte er als erster Premier eine ganze Regierungszeit durchstehen, doch seine Regierungsbilanz fiel ziemlich miserabel aus. Im Jahr 2001 schaffte seine Partei nicht einmal mehr den Sprung ins Parlament.

Bei der Abstimmung zum EU- Parlamentspräsidenten kann Buzek auch auf Unterstützung durch die national-konservative Partei „Recht und Gerechtigkeit“ hoffen: Wenn es um die Wahl eines Polen in ein Spitzenamt geht, wird das nationale Kriegsbeil für einen Augenblick begraben. Knut Krohn

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