PORTRÄT JIL SANDER MODEDESIGNERIN: : „Man muss Sinn haben für das effortless“

Es ist das Comeback der Saison: Zehn Jahre, nachdem sie den Großteil ihres Unternehmens an den Prada-Konzern verkaufte, kehrt Jil Sander zurück in die Mode. Allerdings nicht in die Welt der Haute Couture.

Laura Wieland
265457_0_fde5f4e1.jpg
Foto: dpa

Dafür steigt die „Queen of less“, als die Jil Sander einst für ihren schlichten Stil gefeiert wurde, in die japanische Modekette „Unique Clothes“ ein. Bekannt unter dem Namen „UniQlo“ ist das Billiglabel so etwas wie das fernöstliche Äquivalent zu H & M. Kein kleiner Coup also, den Deutschlands bedeutendste Designerin jüngst in Tokio verkündete, verband man mit ihrem Namen doch stets die Meisterin des Minimalismus, die maßgeblich die Mode der 90er Jahre bestimmt hatte.

„Jil Sander is hot, Armani not“, hieß es damals, als sie dem Italiener Giorgio Armani die Schau stahl. Da hatte die „Königin der Reduktion“ bereits einen neuen Look für Karrierefrauen entworfen, die Anfang der 80er Jahre in die Führungsetagen einzogen. Sie habe immer den Wunsch gehabt, die Frauenmode zu revolutionieren, sagte die gelernte Textilingenieurin und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Zudem warb die Modezarin als erste Frau in Deutschland mit ihrem Gesicht für die eigenen Produkte. 1997 brachte sie erstmals eine Männer-Kollektionen heraus, über die Wolfgang Joop zu schimpfen wusste: „Jil Sander zieht Söhnchen an und keine Männer.“

Schon als Jugendliche fiel Jil, die eigentlich Heidemarie Jiline Sander heißt, durch ihre Stilsicherheit auf. In Hosen statt Pettycoats lief sie in den 50er Jahren durch die Hamburger Innenstadt, in der sie Ende der 60er ihre erste Boutique eröffnete. 1989 ging sie mit ihrer Firma an die Börse, die bis Ende der 90er Jahresumsätze von über 200 Millionen Mark meldete. Dann übernahm Prada 90 Prozent der Aktien. Doch nach langem Hin und Her trennte sich Jil Sander wegen unüberbrückbaren Differenzen 2004 endgültig von dem italienischen Modehaus – und verschwand von der Bildfläche.

Sie hinterließ ihr Markenzeichen: schlichte Eleganz, so funktional und zeitlos wie ihre Schnitte. Zeitlos auch ihre Selbstreflexion in einwandfreiem „Denglisch“, für die Sander 1997 vom Verein Deutsche Sprache mit dem „Sprachpanscher des Jahres“ ausgezeichnet wurde: „Ich habe vielleicht etwas Weltverbesserndes. Mein Leben ist eine giving-story. (...) Wer Ladyisches will, searcht eben nicht bei Jil Sander. Man muss Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils.“ Laura Wieland

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben