• PORTRÄT JOACHIM BUBLATH WISSENSCHAFTSJOURNALIST:: „Wie in einem Kuriositäten- kabinett“

PORTRÄT JOACHIM BUBLATH WISSENSCHAFTSJOURNALIST: : „Wie in einem Kuriositäten- kabinett“

Bernd Matthies

Wer Nina Hagen in eine Talkshow einlädt, der kauft ein klar definiertes Produkt: wirres Gerede, Gekreisch und Gekeife. Auch Joachim Bublath, der Wissenschafts-Chef des ZDF, ist berechenbar: Er hält die Fahne der exakten Wissenschaft hoch, akzeptiert nur, was sich messen und beweisen lässt. Wer beide in dieselbe Show einlädt, der bekommt zwangsläufig: Krawall, solchen wie in der Maischberger-Sendung „Ufos, Engel, Außerirdische“ am Dienstagabend. Als Nina Hagen ausführlich und mit pantomimischen Einlagen von ihrem Zusammentreffen mit Aliens berichtete, stand Bublath schließlich auf und ging: „Ich fühle mich hier wie in einem Kuriositätenkabinett.“

Das Verlassen von Talkshows vor laufenden Kameras scheint sich als Erweiterung des üblichen Katalogs der TV-Emotionen allmählich zu etablieren. Eva Herman wurde bei Kerner, weil in der Minderheit, hinausgeworfen, Bublath, ebenfalls in der Minderheit, ging freiwillig: „Wir haben jetzt den vernünftigen Menschen in dieser Runde verloren“, bedauerte die Moderatorin, offenbar überrascht davon, dass Nina Hagen die ihr zugedachte Rolle so übertrieben perfekt ausgefüllt hatte. Allerdings wird der kleine Eklat der Quote der Wiederholung am kommenden Sonnabend vermutlich gut tun, und Sandra Maischberger dürfte es nicht ungern sehen, dass im Mediengedröhn um Will und Plasberg auch mal wieder von ihrer Sendung gesprochen wird.

Joachim Bublath sollte der demonstrative Akt streitbarer Vernunft ebenfalls nicht schaden. Der 64-jährige promovierte Physiker ist ein Dinosaurier seiner Zunft, seine von 1986 bis 1999 ausgestrahlte „Knoff-hoff-Show“ gilt als Ahne all jener Wissenschaftsshows, in denen es quer durch die Sendelandschaft knallt, pufft und zischt. Seine abgewogene, von Hysterie und fertigen Meinungen freie Darstellung des Klimawandels im Januar war eine TV-Sternstunde.

Sein „Maischberger“-Auftritt vor dem Abgang allerdings wird in vielen Internetforen auch von Hagen-Feinden als überheblich kritisiert; lockeres, ironisches Aussitzen ist nicht sein Thema. Und in wissenschaftlichen Grauzonen fühlt er sich weniger wohl, so brachte er kürzlich mit einer schroffen, strikt schulmedizinischen Analyse alternativer Heilmethoden die deutschen Heilpraktiker und ihre Patienten gegen sich auf. Dabei hält er außerirdisches Leben durchaus für möglich – allerdings nur wegen der statistischen Wahrscheinlichkeit. Bernd Matthies

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