PORTRÄT JOACHIM HUNOLD, AIR-BERLIN-CHEF: : "Der Spaß ist weniger geworden"

Er versteht die Welt nicht mehr. Angesprochen auf den historischen Tiefstand der Air-Berlin-Aktie, schüttelt Joachim Hunold den Kopf.

Juliane Schäuble

Gut, die Weltlage und vor allem die hohen Treibstoffkosten belasten Air Berlin – aber das geht allen Fluggesellschaften so. Und da sei doch sein Unternehmen noch am besten aufgestellt, da es sowohl auf Privatreisende als auch auf Geschäftsleute setze. Dass diese Botschaften in der Welt der Analysten nicht ankommen, ärgert ihn. Er spricht von „Streckenoptimierungen“ und „Effizienzprogramm“ – und wundert sich, wenn danach alle von weniger Flugverbindungen und stillgelegten Maschinen schreiben.

Seine Kritiker sind zahlreicher geworden, seit Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft aufgrund des hohen Kerosinpreises ins Schlingern geraten ist. Hunold kann derzeit nur reagieren, und das liegt dem Selfmademan gar nicht. War er nicht gerade noch der gefeierte Macher, der Visionär, der es mit seiner rasanten Wachstumsstrategie innerhalb kürzester Zeit geschafft hat, dem Marktführer Lufthansa gefährlich nahe zu kommen? Der eine Erfolgsgeschichte hinlegte, wie man sie sonst eher aus amerikanischen Tellerwäschergeschichten kennt? Doch spätestens mit dem Börsengang vor zwei Jahren hat Hunold lernen müssen, dass er unter intensiver Beobachtung steht.

Mit seinen Äußerungen handelt sich der 58-Jährige immer wieder Probleme ein – zuletzt im Sprachenstreit mit der Balearen-Regierung. Meist reagiert er verwundert ob der Härte der Kritik. Und ist daher verschlossener geworden, vorsichtiger. „Der Spaß ist weniger geworden“, hat er vor kurzem gesagt. Auch wenn sich Hunold da auf die Hausdurchsuchungen wegen des Verdachts verbotener Aktiengeschäfte bezog: Den Satz könnte er heute genauso gut sagen.

Um Hunold zu verstehen, muss man sehen: Es geht um nicht weniger als sein Lebenswerk. Er, der eigentlich Pilot werden wollte, startete seine Karriere als Gepäckverlader am Düsseldorfer Flughafen. Beim Ferienflieger LTU begann seine Karriere, bis heute verbindet ihn viel mit der inzwischen zur Air-Berlin-Gruppe gehörenden Fluggesellschaft. 1991 kaufte er mit anderen Geldgebern die damals noch amerikanische Air Berlin, die 400 000 Fluggäste hatte. Heute sind es schon fast 30 Millionen. Solange es gut lief, wurde er bewundert. Doch die Zeiten sind härter geworden. Wahrlich: Der Spaß ist deutlich weniger geworden. Juliane Schäuble

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