PORTRÄT : Jochen Flasbarth: „Einen gemeinsamen Weg finden“

Der neue Präsident des Umweltbundesamts ist Ökonom. Dass er gleichzeitig aus dem Naturschutz kommt, könnte für Deutschlands ökologischen Thinktank ein Vorteil sein.

Dagmar Dehmer
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Foto: ddpddp

Im Umweltbundesamt macht sich Erleichterung breit. Nachdem der Präsident des UBA Ende Juli sein Amt wegen Krankheit niedergelegt hatte, rechnete in Dessau kaum jemand damit, dass die in den letzten Zügen liegende große Koalition sich noch auf einen Nachfolger einigen könnten. Dass es jetzt doch keine Hängepartie gibt, kommt bei den rund 1500 Beschäftigten des UBA gut an. Der 47-jährige Jochen Flasbarth wurde am Mittwoch im Kabinett einstimmig zum Nachfolger von Andreas Troge bestimmt. In Regierungskreisen ist die Rede von einem Gegengeschäft, zwei andere Posten sollen kurz nach der Wahl im Sinne der Union besetzt werden. Dafür setzte sich Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) mit seinem Favoriten durch.

Jochen Flasbarth hat seit 2003 die Abteilung Naturschutz des Bundesumweltministeriums geleitet. Davor war er neun Jahre lang Chef des Nabu. Der Nabu war ein zwar großer und ehrwürdiger, aber auch etwas verschlafener Haufen, als Flasbarth seine Führung übernahm. Diese Wahrnehmung änderte sich in den folgenden Jahren. So effizient wie unter Flasbarth und seinem Pressesprecher Michael Schroeren, der nun schon dem zweiten Umweltminister als Sprecher dient, war der Nabu weder davor noch danach.

Flasbarth ist wie sein Vorgänger beim UBA Ökonom. Dass er aus dem Naturschutz kommt, könnte für den ökologischen Thinktank durchaus ein Vorteil sein. Denn mit den Jahren haben sich eigenartige Gräben zwischen Umwelt- und Naturschützern gebildet. Flasbarth wäre zuzutrauen, dass er diese wieder zuschüttet und das Gemeinsame dieser Motivationen wieder in den Blickpunkt stellt. Beim UBA trauen sie Flasbarth jedenfalls einiges zu. Er gilt als kompetent, medienwirksam und ist sowohl innenpolitisch wie auch international sehr gut vernetzt. Im vergangenen Jahr war Flasbarth wesentlich für das Gelingen der UN- Biodiversitätskonferenz in Bonn verantwortlich. Zudem ist es ihm gelungen, der großen Koalition eine Biodiversitätsstrategie unterzujubeln, über deren Wirkungen sich einige an der Kabinettsentscheidung beteiligte Minister noch wundern werden.

Das Echo auf die Personalie war überwiegend positiv. Der BUND kommentierte: „Es gibt sie also noch, die guten Personalentscheidungen im politischen Berlin.“ Die FDP hätte sich dagegen gewünscht, dass die Entscheidung auf die Zeit nach der Wahl betagt wird.

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