• PORTRÄT JOHANNES SCHMALZL GENERALBUNDESANWALT IN SPE:: „Immer zur rechten Zeit am rechten Ort“

PORTRÄT JOHANNES SCHMALZL GENERALBUNDESANWALT IN SPE: : „Immer zur rechten Zeit am rechten Ort“

Bettina Wieselmann
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Mal weist Johannes Schmalzl im Weinberg ein Naturschutzgebiet aus, mal eröffnet er ein sechsspuriges Autobahnteilstück, gestern zitterte er neben Daimler-Chef Dieter Zetsche und Ministerpräsident Winfried Kretschmann in der neuen Kältekammer des Automobilkonzerns – ein Bau, über den auch das Regierungspräsidium Stuttgart mitzuentscheiden hatte. Der 46-jährige Chef von Deutschlands größter Mittelbehörde hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er seine abwechslungsreiche Arbeit „an der Werkbank der Regierung“ schätzt. Doch jetzt ist durchgesickert, dass in Karlsruhe eine neue Herausforderung auf ihn wartet: Wenn alles klappt und der Bundesrat der von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) ins Auge gefassten Personalie zustimmt, wird Schmalzl im Oktober Nachfolger von Generalbundesanwältin Monika Harms.

Vor dreieinhalb Jahren, zu schwarz-gelben Zeiten, kam mit Schmalzl erstmals ein Liberaler in Baden-Württemberg als Regierungspräsident zum Zug. Nicht zuletzt seiner FDP-Mitgliedschaft hatte es der aus einem CSU-nahen Elternhaus stammende Jurist auch zu verdanken, dass er vor sechs Jahren Chef des Landesamtes für Verfassungsschutz wurde. Zuvor diente er dem damaligen Justizminister Ulrich Goll (FDP) nach seiner Zeit als Beobachter des Ressorts in den Landesvertretungen in Bonn und Berlin und einer kurzen Zeit bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart als Zentralstellenleiter. Irgendwie sei er „immer zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen“, ließ sich der so ehrgeizige wie kommunikationsfreudige Schmalzl einmal zitieren. Zu den neuesten Nachrichten will er ausdrücklich keine Stellung nehmen.

Fachliche Kompetenz wurde dem Unterfranken, der in Würzburg geboren wurde und nach Studienaufenthalten in Bonn und Lausanne dort auch Examen gemacht hat, noch nie abgesprochen. Als Verfassungsschutzpräsident stärkte er die Abteilung zur Islamismus-Beobachtung. Emotionale Ausschläge sind dem eher kühlen Analytiker fremd. Kritiker verweisen auf einen gewissen Hang zum Taktieren. So soll der gelbe Regierungspräsident nach dem Machtwechsel zu Grün-Rot seinem schwarzen Vize die überfällige Unterschrift auf der Ernennungsurkunde zunächst verweigert haben. Auch weil er als politischer Beamter kaum bis zur Pension Regierungspräsident bleiben kann, ist die Karlsruher Perspektive doppelt interessant für Johannes Schmalzl. Bettina Wieselmann

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