PORTRÄT : John Broadhurst: „Das Experiment ist zu Ende“

John Broadhurst ist der Anführer der britischen "Anglo-Katholiken". Ihm und anderen Anglikanern hat Papst Benedikt nun angeboten, in den Schoß der katholischen Kirche zurückzukehren.

Matthias Thibaut
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Foto: universal pictorial pressdpa / Photoshot

Auf seinen Bischofstitel lege er keinen Wert, betonte er nach der Messe: „Bald liege ich in einer Holzkiste vor dem Altar.“ Was zählt, so der 67-jährige anglikanische Bischof, ist die Sache, Gott und die Wahrheit.

Ob oder wie lange John Broadhurst noch Bischof von Fulham bleibt, hängt davon ab, wie er und hunderte anderer britischer „Anglo-Katholiken“ auf Papst Benedikts Angebot eingehen, in den Schoß der katholischen Kirche zurückzukehren. Broadhurst ist der Leiter der Gruppe „Vorwärts im Glauben“. Rund 600 Priester und ein halbes Dutzend Bischöfe berieten am Wochenende in London: Wenn sie einwilligen, und viele würden lieber heute als morgen mitsamt ihren Schäfchen und Kirchen überlaufen, wird Broadhurst die „Karawane nach Rom“ anführen.

Die erste Salve in „Ratzingers Blitzkrieg“ wurde vergangene Woche bei einer eilends anberaumten Pressekonferenz im Vatikan abgeschossen: Die Kongregation für Glaubenslehre, Papst Benedikts alter Machtbereich, wischte im Handstreich 40 Jahre ökumenischer Bemühungen beiseite und bot den Anglikanern eine neue „apostolische Verfassung“ an. Die „Römer“ unter ihnen, die Erztraditionalisten, die gerne die Messe mit Weihrauch zelebrieren, denen die eigene Kirche mit ihren schwulen und weiblichen Priestern zu liberal geworden ist, würden in eigenen Diözesen direkt Rom unterstellt. Einige alte Freiheiten dürften sie behalten, wie etwa die Priesterehe. Ansonsten wären sie wieder gute Katholiken.

Dies ist der „entscheidende Moment“, lobte Broadhurst, der mit seiner Jugendliebe Judith glücklich verheiratet und Vater von vier erwachsenen Kindern ist. Ein Bischofskollege sprach von einem „Angebot der Gnade“. Gerührt nahmen die anglikanischen Anti-Liberalen das Angebot zur Kenntnis, vor allem Bischof Broadhurst selbst, der jüngst noch im Geheimen mit dem Abgesandten Roms, dem Wiener Bischof Christoph Schönborn verhandelte. Der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, dagegen wurde vom Vatikan erst kurz vor der Ankündigung informiert. Seine Aufgabe, die anglikanische Kirche zusammenzu- halten, wird immer unmöglicher.

Jahrhunderte haben die englischen Katholiken gebetet, dass die Anglikaner ihren Irrweg einsehen möchten. Hat nun Papst Benedikt diese Gebete erhört? Broadhurst jedenfalls freut sich über die Chance einer „Neuordnung“. Das, sagt er, sei auch Gottes Wunsch.

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