• PORTRÄT JOSCHKA FISCHER EX-AUSSENMINISTER:: "Die Energiefrage ist für mich entscheidend"

PORTRÄT JOSCHKA FISCHER EX-AUSSENMINISTER: : "Die Energiefrage ist für mich entscheidend"

Nun ist auch der prominenteste Polit-Pensionär der Grünen in der Energiewirtschaft gelandet. Joschka Fischer soll das ehrgeizige wie umstrittene Gas-Pipeline-Projekt Nabucco entscheidend voranbringen.

Ewald B. Schulte

Nun ist auch der prominenteste Polit-Pensionär der Grünen in der Energiewirtschaft gelandet. Gegen ein anständiges Salär – die Rede ist von einem sechsstelligen Betrag – soll Joschka Fischer den ganzen Erfahrungsschatz aus seiner Zeit als Außenminister und Vizekanzler der rot-grünen Koalition einbringen, um das ebenso ehrgeizige wie umstrittene Gas-Pipeline-Projekt Nabucco entscheidend voranzubringen. Diese von der osttürkischen Grenze bis nach Österreich projektierte Gasleitung mit einer Gesamtlänge von 3300 Kilometern soll die Gasreserven des kaspischen Raums für Westeuropa erschließen und damit eine Alternative für die Gaslieferungen aus Russland schaffen.

Politisch ist das Projekt, das ein Firmenkonsortium unter maßgeblicher Mitwirkung des deutschen RWE-Konzerns und des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV realisieren will, durchaus heikel. So verläuft die Nabucco-Strecke zu knapp zwei Dritteln über türkisches Territorium. Die türkische Regierung aber will erst dann grünes Licht für die Realisierung des Projekts geben, wenn ihr die Europäische Union bei den Beitrittsverhandlungen zur EU entgegenkommt. Noch längst nicht geklärt ist auch die Frage, ob das Nabucco-Konsortium die möglichen Lieferanten für sich gewinnen kann. Denn um die Gasreserven in Aserbaidschan, Turkmenistan, Kasachstan, Nordirak und Iran bemüht sich auch der russische Staatskonzern Gazprom. Der aber plant neben der Ostsee-Pipeline eine eigene neue Gasfernleitung nach Südeuropa, mit deren Realisierung die Wirtschaftlichkeit des Nabucco-Vorhabens sofort infrage gestellt wäre.

Auf Fischer, der laut Manager-Magazin für den Nabucco-Job von der Beraterfirma der früheren US-Außenministerin Madeleine Albright empfohlen worden sein soll, kommt somit jede Menge politische Lobby-Arbeit zu. Und eine Art Déjà-vu-Erlebnis. Denn wieder einmal ist Fischer mit seinem Ex-Regierungspartner Gerhard Schröder konfrontiert. Der SPD-Altkanzler nämlich rührt seit geraumer Zeit die Werbetrommel für die Ostsee-Pipeline. Deren Betreibergesellschaft aber, der auch der RWE-Konkurrent Eon angehört, wird von Gazprom dominiert. Auch bei der Ostsee-Pipeline ist der Baubeginn noch nicht gesichert. Ein neuer Wettbewerb also zwischen den beiden. Koch oder Kellner hieß die Streitfrage früher, jetzt heißt es: Nabucco contra Gazprom. Ewald B. Schulte

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