PORTRÄT JOSE CASTRO SPANISCHER RICHTER: : „Es geht um Geldwäsche“

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Die Menschen jubeln, wenn Spaniens berühmtester Untersuchungsrichter José Castro aus dem Justizpalast in Palma de Mallorca auf die Straße tritt. „Mach weiter so, gib nicht auf!“, wird er angefeuert. Der 68-jährige Richter ist für viele ein Held, der sich auch durch Drohungen nicht davon abhalten lässt, gegen mächtige Politiker und sogar gegen das Königshaus zu ermitteln.

José Castro, der sich von Freunden „Pepe“ nennen lässt, hat sich die Rolle des Stars nicht ausgesucht. Er gilt als bescheiden und öffentlichkeitsscheu. Seit mehr als 20 Jahren ist er Untersuchungsrichter auf der Urlaubsinsel Mallorca, wo er gegen kleine und große Kriminelle ermittelte. Und wo er vor sieben Jahren eher zufällig auf einen gigantischen Bestechungsskandal stieß, in den etliche prominente Inselpolitiker verstrickt waren. In diesem Zusammenhang wurde er auch auf fragwürdige Geschäfte von Mitgliedern der Königsfamilie aufmerksam.

Am Samstag muss deswegen Prinzessin Cristina bei ihm zum Verhör antreten. Sie wird dabei nicht nur dem Ermittler in die Augen sehen, sondern auch ihrem Vater, dem König und Staatschef Juan Carlos, dessen Porträt hinter dem Richterschreibtisch hängt. Der Ermittlungsrichter beschuldigt die 48-jährige Cristina des Steuerbetrugs und der Geldwäsche.

José Castro ist der erste Richter Spaniens, der es wagt, mutmaßliche Verfehlungen von Mitgliedern des Königshauses zu untersuchen – einer Institution, die lange Zeit als unantastbar galt. Cristinas ebenfalls beschuldigter Mann Iñaki Urdangarin, der mit seinen königlichen Kontakten öffentliche Millionengelder ergaunert haben soll, wurde bereits zwei Mal von Castro in die Mangel genommen.

Nun ist also Cristina an der Reihe – sie soll beim Betrug mitgemacht haben. Vergeblich hatten Königshaus und konservative Regierung versucht, Castros Ermittlungen zu bremsen: Die Staatsanwaltschaft stellte sich schützend vor Cristina und schoss scharf gegen den unbequemen Richter. Staatliche Spitzel durchwühlten offenbar das Leben Castros, um belastendes Material gegen ihn zu finden.

Doch die geheime Operation zur Rettung Cristinas scheiterte bisher. Obwohl politische Einflussnahme nicht selten sind, wie sogar Spaniens konservativer Ministerpräsident Mariano Rajoy dieser Tage im Fall Cristina demonstrierte. „Ich bin“, griff Rajoy dem Verhör der Königstochter schon einmal vor, „von ihrer Unschuld überzeugt“. Ralph Schulze

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