PORTRÄT : Jose Socrates: „Portugal braucht Vertrauen“

In Sachen Imagepflege ist Jose Socrates, der am Sonntag in Portugal um seine Wiederwahl als sozialistischer Regierungschef kämpft, ein Meister.

Ralph Schulze

In Sachen Imagepflege ist Jose Socrates, der am Sonntag in Portugal um seine Wiederwahl als sozialistischer Regierungschef kämpft, ein Meister: Weil sein wirklicher Nachname „Pinto de Sousa“ nicht besonders aufregend klang, machte er zu Beginn seiner inzwischen über 30-jährigen politischen Wegstrecke kurzerhand seinen zweiten Vornamen „Socrates“ zum Nachnamen. Die Vorliebe für Maßanzüge und Designerkleidung brachte dem portugiesischen Chefsozialisten zudem den Beinamen „Armani-Politiker“ ein. Der grauhaarige 52-Jährige, den man in Lissabon beim Joggen treffen kann, wird wegen seiner Ausstrahlung zuweilen sogar zum „George Clooney Portugals“ erhoben.

Sein politischer Werdegang wurde von dem Verdacht begleitet, dass Socrates möglicherweise zu sehr auf sein schönes Bild bedacht ist: Nach seiner 2005 begonnenen Amtszeit als Ministerpräsident tauchten Zweifel auf an seinem Universitätsdiplom als Bauingenieur. Auch machte es keinen guten Eindruck, dass eine Fernsehsendung, in der es um schwere Korruptionsvorwürfe gegen Socrates ging, angeblich auf Druck des Regierungspalastes aus dem Programm gestrichen worden war. „Medienzensur“ beklagte die Opposition.

„Portugal braucht ein Projekt des Vertrauens“, predigt derweil Socrates, der dem kleinen EU- Land, dessen Menschen für ihre Melancholie berühmt sind, Hoffnung einimpfen will. Das werden die knapp elf Millionen Portugiesen auch brauchen, denn ihr Staat am südwestlichen Zipfel Europas ist in vielerlei Hinsicht das Schlusslicht Westeuropas. In Sachen Wirtschaft, Bildung und soziale Sicherheit hinkt das Korkeichenreich am Atlantik der EU hinterher.

Vier Jahre sozialistische Regierung unter Socrates, der mit absoluter Mehrheit gewählt worden war, haben daran nicht viel geändert. Dauerstreiks und Massenproteste erschwerten seinen politischen Alltag. Ein schon seit Jahren tiefes Haushaltsloch setzte dem Versprechen, das Land zu modernisieren und endlich wettbewerbsfähig zu machen, enge Grenzen. Immerhin warf der EU-Gipfel vor zwei Jahren in Lissabon etwas politischen Glanz auf den Sozialisten. Die Bilder des jubelnden Socrates, der als „Held von Lissabon“ gefeiert wurde, erfreuten damals die Welt. Nun muss sich beim Kräftemessen mit seiner konservativen Herausforderin Manuela Ferreira Leite zeigen, ob auch die Portugiesen dem „Helden“ weiter vertrauen.

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