PORTRÄT JOSEF PRÖLL NEUER ÖVP-CHEF: : „Es gibt keine Festlegung“

Markus Huber

Am Ende ging dann alles ganz schnell, und das mag dann wohl als gutes Zeichen gelten, weil dieses Ende ja auch ein Anfang ist. Nach gerade mal zweistündiger Sitzung des ÖVP-Parteivorstands hatte Wilhelm Molterer die Konsequenzen aus dem Wahldebakel von Sonntag gezogen und sein Amt niedergelegt. Zu seinem Nachfolger an der Parteispitze wurde der aktuelle Landwirtschaftsminister Josef Pröll ausgerufen.

Pröll war zwar der logische Kandidat für den Posten – dass seine Kür so schnell ging, war dann doch überraschend. Es ist ein Zeichen dafür, dass es in der Krise nur noch wenig Widerstände gegen den smarten Pröll gegeben hat – und das, obwohl Pröll jede Menge Freiheiten gefordert hatte: Er allein darf sich sein Team zusammenstellen, er allein darf entscheiden, ob und in welcher Form es zu Koalitionsgesprächen mit der SPÖ kommt, und sollten diese erfolgreich sein, dann hat Pröll seit Montagabend auch das Portfolio, sich seine Ministermannschaft selbst zusammenzustellen. Eine gewaltige Machtfülle, und das noch dazu für einen relativ jungen Politiker. Pröll, die Zukunftshoffnung der österreichischen Bürgerlichen, ist gerade erst 40 Jahre alt geworden.

Seit fünf Jahren sitzt er als Landwirtschaftsminister in der Regierung, davor arbeitete er im Bauernbund und war Kabinettschef des seinerzeitigen Landwirtschaftsministers. Pröll ist ausgesprochen umgänglich und, wie es sich für einen Agrarpolitiker gehört, gibt es nur wenige in der österreichischen politischen Szene, die nicht mit ihm per Du sind. Ideologisch ist Pröll freilich schwer zu verorten, und das ist wahrscheinlich auch sein Konzept: Teilweise fällt er mit liberalen Positionen auf, so forcierte er kürzlich einen Richtungsschwenk der ÖVP, um auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften eintragen zu lassen. Als übertrieben liberal gilt er aber auch nicht – das wäre im österreichischen bürgerlichen Lager wohl auch gar nicht erwünscht.

Sein größtes Ass ist freilich sein Netzwerk: Pröll ist der Neffe des niederösterreichischen Landeshauptmanns Erwin Pröll. Der gilt seit 20 Jahren als Strippenzieher in der Partei, und obwohl er es selbst nie ganz an die Spitze schaffte, hören viele in der Partei auf ihn. Dazu kommt, dass die Niederösterreicher in der Volkspartei eng mit dem Raiffeisenkonzern verbandelt sind – der wiederum ist für die finanziellen Belange der ÖVP zuständig. Das kann in Zeiten wie diesen nicht schaden. Markus Huber

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