PORTRÄT JURDAN MARTITEGI VERHAFTETER ETA-CHEF: : „Ich bin der, den sie suchen“

Als die hünenhafte Gestalt des Verdächtigen vor der Dorfkirche in Montauriol auftauchte, waren sich die Anti-Terror-Fahnder sicher: Sie hatten den militärischen Eta-Chef Jurdan Martitegi vor Augen, einen der meistgesuchten Terroristen Europas.

Ralph Schulze
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Foto: dpa

Die Polizei ließ die Falle vor dem Friedhof des südfranzösischen Dorfs in der Nähe von Perpignan zuschnappen. Spezialkräfte aus Spanien und Frankreich überwältigten den Zweimetermann, der keine Zeit mehr hatte, seine Pistole zu ziehen. „Ich bin der, den sie suchen, Jurdan Martitegi“, sagte er nur und ergab sich der Polizei.

Es ist ein neuer schwerer Schlag gegen die baskische Terrorbewegung. Zusammen mit Top-Terrorist Martitegi, der vor einem Jahr in die Eta-Führung aufrückte und seit Ende 2008 alleiniger „General“ des militärischen Apparats war, gingen der Polizei zwei weitere Terroristen ins Netz. Stunden später wurden im nordspanischen Baskenland, dort wo die Eta ihre Heimat hat, noch sechs mutmaßliche Eta-Mitglieder festgenommen. „Eine exzellente Nachricht“, freute sich Spaniens Ministerpräsident Zapatero. Auch weil Martitegi zu jenem harten Kern der Separatistenbande zählte, der Zapateros Traum von Friedensverhandlungen mit Bomben vernichtete.

„El gigante – der Riese“, wurde Martitegi von der Polizei wegen seiner großen Körperstatur genannt. Martitegi, der den EtaKampfnamen „Arlas“ trug, hat eine klassische Terrorkarriere hinter sich: Als Jugendlicher tat er sich als Eta-Sympathisant hervor, er warf in seiner baskischen Heimatstadt Steine gegen Polizeiwagen, schmierte Parolen an Fassaden und warf Brandsätze gegen Häuser pro-spanischer Politiker.

Dann stieg „Arlas“ in das Terrorkommando „Viskaya“ auf, das für die meisten Attentate der vergangenen Jahre verantwortlich war. Mindestens zwei Mal filmten ihn Überwachungskameras, als er Autobomben platzierte: Mit einem mächtigen Sprengsatz jagte er eine Polizeikaserne in seinem Geburtsort Durango in die Luft. Die letzte Todesspur hinterließ er, als er vor einem Jahr das Polizeigebäude im Baskenort Legutiano zerbombte und einen Beamten tötete. Seitdem wurde Martitegi in Südfrankreich vermutet – einer Region, welche die „Etarras“ als Rückzugsgebiet für ihren Krieg gegen Spanien nutzen. Die Polizei glaubt nun, dass die Eta nach einer langen Festnahmeserie so schwach wie schon lange nicht mehr ist. Bisher wurden in ihrem Namen fast 850 Menschen getötet. Ralph Schulze

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