PORTRÄT KARL MAX EINHÄUPL KÜNFTIGER CHARITÉ-CHEF: : „Wunderheilung gibt es nicht“

Da kommt was auf ihn zu. Der Neurologe Karl Max Einhäupl, 61, wird neuer Vorstandsvorsitzender der Charité, des mit rund 15.000 Mitarbeitern größten Universitätsklinikums in Europa. Er wird Nachfolger von Detlev Ganten, der das Amt seit 2004 innehatte.

Hartmut Wewetzer

Einhäupl stammt aus München. Dort studierte er auch und begann seine wissenschaftliche Karriere. 1988 wurde er Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität – und nutzte 1992 die Chance zu einem Karrieresprung in den Osten, an die Berliner Charité. Ein Jahr später wurde er Direktor der Neurologie, die einen großen Aufschwung erfuhr. „Brillant“ nennen selbst Kritiker diese Leistung.

Einhäupls Interessen in der Neurologie – also dem Fach, das sich mit der „Hardware“ des Denkens, dem Gehirn und den Nerven, beschäftigt – sind weitgespannt: Schlaganfall, Multiple Sklerose, Kopfschmerzen, Aids-bedingte Hirnleiden, Wachkoma und Alzheimer gehören zu seinen Themen.

Über die Jahre ist der Mediziner immer mehr zum Manager geworden. Einhäupl übernahm viele Funktionen in wissenschaftlichen Gremien, von 2001 bis 2006 leitete er den Wissenschaftsrat. Das Amt des Charité-Chefs war da irgendwann fast unausweichlich.

Einhäupl hat ein gewinnendes Wesen, er ist stets zuvorkommend und freundlich, mit einem Zug ins Verschmitzte. Sein Münchner Charme bedeutet aber nicht, dass er zum Schönfärben neigen würde. „Wunderheilungen gibt es nicht“ hat er etwa zum Thema Wachkoma festgestellt. Und damit zu weit reichenden Hoffnungen auf ein „Wiedererwachen“ nach jahrelangem Koma infolge ausgedehnter Hirnschäden eine unverblümte Abfuhr erteilt.

Sein Vorgänger Detlev Ganten hat der Charité als Leuchtturm der Forschung wieder zu internationaler Ausstrahlung verholfen, das ist dessen Verdienst. Aber er war eher Wissenschaftler als Klinikchef, eher Denker als Ökonom. Daran entzündete sich manche Kritik.

Einhäupl hat den Vorzug, selbst eine große Klinik geleitet zu haben. Er kennt die Charité hervorragend und hat ihren „Stallgeruch“. Sein Vertrauensvorschuss ist groß, ebenso die Herausforderungen: an erster Stelle steht für viele die finanzielle Konsolidierung, gefolgt von der Forderung nach mehr Transparenz und weniger Bürokratie, nach raschem Handeln und einer gesicherten Zukunft. Nicht nur wissenschaftlich. Auch wirtschaftlich. Hartmut Wewetzer

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