Porträt Kathrin Schneider : „Ein Konsens ist immer möglich“

Die neue Chefin der Fluglärmkommission, Kathrin Schneider, setzt auf Konfliktmanagement und Interessenausgleich.

von
Foto: mil.brandenburg
Foto: mil.brandenburg

Der öffentliche Auftritt ist noch ungewohnt für diese Frau mit den markanten roten Haaren, die zum ersten Mal im Rampenlicht steht. Aber Kathrin Schneider, gerade zur Chefin der Fluglärmkommission gewählt, die bei den hoch umstrittenen Flugrouten für den BBI-Hauptstadtflughafens ein Wort mitzureden hat, findet sich schnell in diese Rolle hinein. „Es ist ein konfliktträchtiges Feld“, sagt die 48-Jährige. „Da muss man Geduld aufbringen und moderieren. Es ist immer möglich, einen Konsens zu finden.“

Es geht, der rote Faden ihrer Karriere, wieder einmal um Konfliktmanagement und Interessenausgleich. Das ist schon ihr gegenwärtiger Hauptjob. Sie leitet seit 2009 – ohne negative Schlagzeilen – die gemeinsame Landesplanung für Berlin und Brandenburg, eine länderübergreifende Behörde. Womit Schneider permanent Dienerin zweier Herren ist, die nicht immer an einem Strang ziehen. Vor Übernahme des Vorsitzes der Fluglärmkommission legte sie Wert darauf, „dass beide Eltern, also Berlin und Brandenburg, klargestellt haben, dass ich in dieser Funktion keinen Weisungen unterliege“. Es passt also, wenn man sie in Potsdam als „tough“, „kompetent“, „durchsetzungsstark“ beschreibt.

Es gibt nicht viele Frauen, dazu mit ostdeutscher Vita, die es in Brandenburg an eine Behördenspitze geschafft haben. Und Ex-Verkehrsminister Reinold Dellmann (SPD) etwa, in dessen Amtszeit sie die Gemeinsame Landesplanung übernahm, sagt: „Sie hat in ihrem Berufsleben bewiesen, dass sie bei Konflikten moderieren kann.“

In Lübben geboren, hatte die Lausitzerin von 1981 bis 1986 Agrarwissenschaften an der Humboldt-Universität studiert, ehe sie nach der Wende in der brandenburgischen Umweltverwaltung Karriere machte. Als Referatsleiterin war sie für Braunkohleplanung zuständig, stellte sich vor Ort aufgebrachten Betroffenen.

Mit dem Planungsverfahren für den BBI hatte Schneider nichts zu tun, was ihr jetzt die Aufgabe erleichtert. Andererseits sind ihr die Nöte Betroffener um den BBI nicht fremd, da sie im „Dialogforum“ zur Flughafenumfeldentwicklung mitwirkte. Bürgermeister der Region, die nun in der Kommission sitzen, haben sie dort kennengelernt. Das erklärt, warum Schneider trotz des Misstrauens gegen Planungsbürokratie mit großer Mehrheit gewählt wurde. Privat pendelt sie zwischen Berlin und dem Haus ihrer Eltern im Spreewalddorf Märkische Heide. „Ich lebe zwischen den Welten.“ Thorsten Metzner

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben