PORTRÄT KEVIN RUDD WAHLSIEGER IN AUSTRALIEN: : „Ich bin ein entschlossener Sauhund“

Moritz Kleine-Brockhoff

Jetzt haben auch die Australier ihren Tony Blair gefunden: Er heißt Kevin Rudd, ist erst 50 und hat seine linke Labour-Partei nach vier Wahlschlappen wiederbelebt. Rudd stahl der konservativen Regierung die Themen, die Schau und die Macht. Mit absoluter Labour-Mehrheit wird er kommende Woche Premierminister.

Rudd hat sich hochgekämpft. Praktisch alleine. Der Bauernsohn verlor früh seinen Vater und trat als 15-Jähriger der Labour-Partei bei. Er studierte Chinakunde, wurde Diplomat und später Bürokrat im Bundesland Queensland. „Dr. Tod“ nannten sie ihn, weil er die Verwaltung brutal verschlankte. „Ich bin ein entschlossener Sauhund“, meint er. Seit 1998 ist Rudd Parlamentarier, große Unterstützer hatte er nie. Weil er sich keinem Parteiflügel zuordnen ließ. Weil er keiner Gewerkschaft beitrat. Und weil er kein Kumpel-Typ ist. Erst mit beherzten Reden gegen den Irakkrieg fiel Rudd auf. Und dann, Ende 2006, stürzte er per Kampfabstimmung seinen Parteichef. Genossen hatten zur Kenntnis genommen, dass der eigentlich unspektakuläre Rudd bei Umfragen hohe Sympathiewerte einfuhr. Ist es sein ruhiger Stil? Die Wortgewandtheit? Aber war der angeblich fromme Christ nicht mal betrunken im Striptease-Club? Egal. Er kommt an.

Rudd macht sich wie einst Blair in der politischen Mitte breit. „Ich bin wirtschaftskonservativ“, rief er im Wahlkampf gegen den konservativen John Howard, dessen Wirtschaftspolitik erfolgreich war. Howard dachte, er habe das Thema innere Sicherheit gepachtet. Rudd kündigte einen nationalen Sicherheitsberater an. Und traditionelle Labour-Wähler? Rudd will Kündigungen schwieriger und Streiks leichter machten. Dass er das Kyoto-Protokoll unterzeichnet, finden fast alle Australier richtig.

Rudd-Blair-Parallelen hin oder her – es gibt auch viele Unterschiede. Rudd wird tun, was Blair nicht tat: Er wird Irak-Truppen nach Hause holen. Blair versprach eine ganz neue Innenpolitik, Rudd will nur justieren. Blair war Popstar, Rudd ist nicht gerade hip. „Wollen wir einen, der aussieht wie ein Zahnarzt?“, fragte Dame Edna, mit lila Haaren schrill wie eh und je. „Ja“, sagte der Wähler. Journalist Peter Hartcher erklärt: „So wie ein Zahnarzt tritt auch Rudd ruhig und professionell auf. Er ist nicht radikal oder ideologisch. Die Art Figur, an die man sich mit einer unsympathischen, aber wichtigen Aufgabe wenden könnte. Dem Reparieren von Zähnen. Oder dem Führen einer Regierung.“ Moritz Kleine-Brockhoff

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