• PORTRÄT KHALID SHEIK MOHAMMED, CHEF DER 9/11-TERRORISTEN: "Ich plante den Angriff auf New York"

PORTRÄT KHALID SHEIK MOHAMMED, CHEF DER 9/11-TERRORISTEN : "Ich plante den Angriff auf New York"

Khalid Sheik Mohammed sagt, er habe die Anschläge auf das World Trade Center "von A bis Z geplant". Vom bevorstehenden Prozess gegen ihn erwarten Experten nun, dass Sheik Mohammed versuchen wird, als Ankläger der USA aufzutreten und der CIA Folter vorwirft.

Christoph von Marschall

Anfang 2010 werden sich die Topterroristen des Angriffs auf die USA vom 11. September 2001 vor einem regulären Strafgericht in New York verantworten müssen. Das gab US-Justizminister Eric Holder am Freitag bekannt. Im Mittelpunkt des Interesses steht Khalid Sheik Mohammed, der als „Gehirn“ der Anschläge auf das World Trade Center gilt und von sich sagt, er habe die Aktion, bei der Passagierflugzeuge als fliegende Bomben missbraucht wurden, „von A bis Z geplant“. Mit dem 44-jährigen Kuwaiti werden vier weitere Topterroristen angeklagt, darunter Ramzi Binalshibh, der Anführer der Hamburger Al-Qaida-Zelle. Präsident Barack Obama erfüllt damit seine Zusage, die Drahtzieher der Anschläge vor zivile Gerichte zu stellen und sie nicht vor Militärtribunalen in Guantanamo aburteilen zu lassen, wie George W. Bush plante.

Obamas Wende fällt freilich nicht so konsequent aus, wie angekündigt. Parallel zum zivilen Strafprozess gegen die 9/11-Attentäter werden die Verantwortlichen für den Bombenanschlag auf das Militärschiff „Cole“ aus dem Jahr 2000 im Jemen vor Militärtribunale gestellt. Ursprünglich hatte Obama versprochen, die Tribunale zu beenden. Weitere Kompromisse machen deutlich, dass sein Kurswechsel in der Gefangenenpolitik auf Widerstände stößt. Der genaue Prozessbeginn ist noch unklar, nachdem der Kongress beschlossen hat, die Regierung müsse die Abgeordneten 45 Tage vorab informieren, ehe sie einen Terrorverdächtigen von Guantanamo auf das US-Festland verlegen darf. In den USA stößt das Lager nicht auf so breite Ablehnung wie im Ausland. Die Bürger wollen Terrorverdächtige möglich weit von ihrem Wohnort entfernt wissen. New York bildet eine Ausnahme. Die Stadt, die zum Opfer wurde, empfindet Genugtuung, wenn die Täter dort vor Gericht stehen.

Experten erwarten, dass Scheik Mohammed versuchen wird, als Ankläger der USA aufzutreten und der CIA Folter vorwirfet. Nach Regierungsunterlagen hat der Geheimdienst ihn 183 Mal dem „Waterboarding“ unterzogen. Die Prozedur, die dem Opfer das Gefühl gibt, zu ertrinken, gilt in Europa als Folter. Die Regierung Bush behauptet, Mohammed habe wertvolle Hinweise auf weitere Anschlagspläne geliefert. So wird das Verfahren wohl gegensätzliche Reaktionen auslösen: Was die einen als Schande für die USA empfinden, gilt anderen als berechtigte Gegenwehr. Christoph von Marschall

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