• Porträt Klaus Rainer Röhl, Ex-"Konkret"-Chefredakteur : "Links sein bedeutet nicht, arm zu sein"

Porträt Klaus Rainer Röhl, Ex-"Konkret"-Chefredakteur : "Links sein bedeutet nicht, arm zu sein"

Klaus Rainer Röhl hat nie klar eine Rolle besetzt. Er war ein Dandy, der mit dem Porsche in die Redaktion fuhr, zugleich aber auch Mitglied der verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands. Später fand er eine weitere Rolle.

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Foto: dpa

Als die junge Atomwaffengegnerin diesen geschniegelten Typen im Mai 1958 zum ersten Mal sieht, steht ihr Urteil fest. „Ein Brechmittel“, sagt Ulrike Meinhof. Am 27. Dezember 1961 heiratet sie ihn, diesen Klaus Rainer Röhl. „Nur Qualität kann Qualität erkennen“, sagt Meinhof, ein paar Jahre bevor sie zu den zentralen Figuren der ersten Generation der Roten Armee Fraktion (RAF) wird. Qualitäten hat der Sohn eines Regisseurs, geboren 1928, als vermeintlich linker Dandy. Er ist seit 1955 Herausgeber beziehungsweise Chefredakteur der Zeitschrift „Konkret“, die auch durch Meinhofs Kolumnen zum mächtigsten Sprachrohr einer rebellischen Generation wird. „Konkret“, das Blatt, in dem Intellektuelle wie Hans Magnus Enzensberger und Heinrich Böll schreiben, wird auch zur Stimme der Außerparlamentarischen Opposition.

Röhl hat eine Tochter aus erster Ehe, Anja, und die dürfte das Gefühl, „K 2 R“, wie Röhl von Freunden genannt wurde, sei ein „Brechmittel“, kennen. Er habe sie jahrelang missbraucht, schreibt sie im „Stern“. Röhl bestreitet es.

Röhl hat nie klar eine Rolle besetzt. Er war ein Dandy, der mit dem Porsche in die Redaktion fuhr, zugleich aber seit 1956 auch Mitglied der verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Dass „Konkret“, am Anfang defizitär, seit 1955 Geld aus der DDR erhielt – den Frauenhelden Röhl hat’s nie gestört. „Wie eine kostbare Beute“, sagte er später, habe er Meinhof sogar mal zu einer KPD- Versammlung in Ost-Berlin geschleppt. Doch seine immer radikaler argumentierende Kolumnistin konnte mit den Widersprüchen ihres Mannes immer weniger anfangen. Vorbei die Zeiten, in denen er sie „Ricki“ nannte. Sie bezeichnete ihn als „sexistischen Salonkommunisten“. Röhl wollte das Magazin mit „sex and crime“ anreichern. Entsprechend klingen dann die Geschichten. „Sex in der Schule“ zum Beispiel. Im Mai 1968 ließ sich Meinhof scheiden, im April 1969 löste sie sich auch von „Konkret“. 1973 wurde Röhl von seiner Redaktion aus dem Blatt gedrängt. Der Geschasste gründete eine neue Zeitschrift und schrieb Bücher. In einem nahm er Abschied von „linken Lebenslügen“, an die er freilich nie wirklich geglaubt hatte. „Links sein“, hatte er schon zu „Konkret“-Zeiten erklärt, „bedeutet nicht, arm zu sein.“

Röhl schrieb nun auch für die rechtslastige „Junge Freiheit“. Das frühere, heimliche KPD-Mitglied hatte eine weitere Rolle gefunden.

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