Porträt : Klinsmann: "Es gab alte Denkweisen gegen mich"

Nein, Jürgen Klinsmann will sich nicht klammheimlich verdrücken. Deshalb tritt er bei Günther Jauch im Fernsehen auf - und erzählt, wie toll er München auch ohne das Traineramt beim FC Bayern findet.

Sebastian Krass
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Foto: dpa

Als Günther Jauch das Thema umschweifig einleitete, begann Jürgen Klinsmann bereits zu lächeln. Jetzt würde er denen, die falsch spekuliert hatten, eins auswischen können. Der FC Bayern lege ja keinen Wert mehr auf seine Dienste, sagte Jauch und stellte fest, dass Klinsmann dennoch in München wohnen bleibe. Eine schöne Vorlage, die der frühere Stürmer genüsslich verwertete: Mit seiner Frau und den zwei Kindern, zwölf und sieben Jahre alt, fühle er sich „unglaublich wohl“ in dieser „wundervollen Stadt“ – und erst das Hinterland mit den Bergen. Die Familie solle nach zehn Jahren in Kalifornien nun Wurzeln in Deutschland schlagen. „Wir sagen nicht: Wir packen jetzt die Koffer, weil es mit Papas Job nicht so gut gelaufen ist.“ Dabei lachte er spöttisch über all die Leute, die gedacht und geschrieben hatten, er werde sich nun ins Exil verdrücken – wie damals, als er nach der WM 2006 als Bundestrainer zurücktrat. Nein, diesmal bleibt Klinsmann präsent. Das war die wesentliche Botschaft, die er mit dem Auftritt in Jauchs „Stern“- TV und einem Interview mit der Deutschen Presseagentur unters Volk bringen wollte. Es war Klinsmanns erste öffentliche Einlassung nach der Entlassung beim FC Bayern vor knapp vier Wochen.

Er lächelte viel bei seinem Fernsehauftritt. Aber das erlaubt bei Klinsmann keine Rückschlüsse auf seine Gemütslage. Denn die sei nach wie vor tief betrübt. Verständnislos habe er die Entlassung aufgenommen. Nach Saisonende sollte die Abrechnung mit der Vereinsführung anstehen. „Aber die wollten diese schon fünf Spieltage vorher machen.“ Dabei hätte er die Bayern noch zur Meisterschaft gebracht. Eine ganz wesentliche Verantwortung schreibt Klinsmann auch den Medien zu, die eine Hetzjagd auf ihn veranstaltet hätten. Selbstkritik übte er nur anhand von einzelnen Beispielen.

Zwar will er sich nun „erst einmal ein bisschen zurückziehen und überlegen, was für ein Schritt kommen könnte“, sagt der 44-Jährige, und auf keinen Fall werde er schon diesen Sommer wieder einen neuen Job annehmen. Aber die „absolut faszinierende“ Arbeit als Trainer bleibe erste Wahl. Mit Klinsmanns Selbstverständnis kommt aber nur ein Engagement auf hohem europäischem Niveau in Frage. Damit das eines Tages klappt, ist es wichtig, hier und dort aufzutauchen, Kontakte in der Branche zu pflegen, im Gespräch zu bleiben. Und das geht viel besser von München aus als von Kalifornien.

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