PORTRÄT KSENIA RAPPOPORT SCHAUSPIELERIN: : „Ich verstehe sogar toskanische Witze“

Als sie vor zwei Jahren ihre erste Hauptrolle in einem italienischen Film annahm, konnte sie noch kein Wort Italienisch. Heute Abend moderiert die russische Schauspielerin Ksenia Rappoport die Eröffnungsgala der 65. Internationalen Filmfestspiele in Venedig, ebenso wie die Preisverleihung in zehn Tagen.

Christina Tilmann

Als sie vor zwei Jahren ihre erste Hauptrolle in einem italienischen Film annahm, konnte sie noch kein Wort Italienisch. Heute Abend moderiert die russische Schauspielerin Ksenia Rappoport die Eröffnungsgala der 65. Internationalen Filmfestspiele in Venedig, ebenso wie die Preisverleihung in zehn Tagen. Das Sprachproblem dürfte sich inzwischen gegeben haben, nach drei italienischen Filmen.

Dunkle Locken, grüne Augen, markantes Profil: Die 34-jährige Ksenia Rappoport übersieht man nicht. Lange schon ist sie in Russland ein Star, spielt am berühmten Mali-Theater in ihrer Heimatstadt St. Petersburg und erhielt für ihre Darstellung der Elena in Lev Dodins Inszenierung von „Onkel Wanja“ 2003 den wichtigsten St. Petersburger Theaterpreis. Auf dem Filmfest von Locarno wurde sie gerade für ihre Darstellung einer verwöhnten russischen Opernsängerin auf Heimaturlaub in „Yuri’s Den“ begeistert gefeiert. Der Film kommt im Herbst auch in die deutschen Kinos.

Inzwischen ist die Russin auch hierzulande keine Unbekannte mehr. Der Durchbruch kam mit einem Film, der passenderweise „Die Unbekannte“ hieß. Regisseur Giuseppe Tornatore („Cinema Paradiso“) erzählt in seinem 2006 gedrehten, ziemlich überfrachteten Melodram die Geschichte einer ukrainischen Ex-Prostituierten, die als Putzfrau im Triest von heute arbeitet und ihre Tochter sucht, die sie einst zur Adoption freigegeben hatte.

Für die Rolle der Irina hatte Tornatore zunächst in Kiew, Moskau und Prag vergeblich gesucht, um schließlich Ksenia Rappoport zu engagieren, ohne dass sie auch nur das Drehbuch gesehen hatte. Die Rolle brachte ihr 2006 den David di Donatello ein, den wichtigsten italienischen Filmpreis. Auch für den Europäischen Filmpreis war sie 2007 nominiert, unterlag aber Helen Mirren als „The Queen“. Tornatores Film war 2008 auch für den Auslandsoscar nominiert, den dann die deutsch-österreichische Produktion „Die Fälscher“ erhielt.

Derzeit spielt sie auch in einem weiteren italienischen Film: in Giovanni Veroneses Film „Italians“. Und immerhin: In Venedig ist Ksenia Rappoport auch schon gewesen, zumindest theatralisch. 2004 stand sie in St. Petersburg in der Goldoni-Komödie „Diener zweier Herren“ auf der Bühne, in Männerkleidung eine Gondel lenkend. Eine echte Gondel zu besteigen wird sie sich bestimmt nicht nehmen lassen. Christina Tilmann

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