PORTRÄT KUPPEL BERLINER SCHLOSS: : "Wer mich will, soll extra zahlen"

Wer die Schlüter-Kuppel auf dem Berliner Stadtschloss sehen will, muss 15 Millionen Euro beibringen. Das scheint nicht zu viel, um das Bild des historischen Berlin zu vervollständigen. Der steuerzahlende Bürger ahnt indes, dass es bei diesem Zuschlag nicht bleiben wird.

Bernhard Schulz

So wenig Rom an einem Tage erbaut wurde, so wenig auch das Berliner Schloss. Aus Anlass der Erhebung Preußens zum Königtum 1701 wurde der grandiose Neubau durch Andreas Schlüter begonnen, aber erst 1845 mit der Kuppel von Friedrich August Stüler beendet. Nicht länger als ein gutes Jahrhundert markierte die Kuppel die Mitte Berlins, die letzten Jahre als ausgebrannte Kriegsruine. Als Gerippe soll sie zunächst auch nur wiedererstehen, so sehen es die jüngsten Pläne des Bauministeriums vor – der Bundestag hat die Rekonstruktion der Kuppel offengelassen. Wer sie will, soll (extra) zahlen – so die Folgerung des Ministeriums, das die Kostenbegrenzung auf 552 Millionen Euro einhalten soll.

Anders gesagt: Nur das konstruktive Gerüst soll wiederhergestellt werden. Wer aber die Schlüter-Kuppel sehen will, muss 15 Millionen Euro beibringen. Nachtigall, ick hör dir trapsen, sagt der Berliner: Denn ohne Kuppel sieht das Schloss aus wie ein wuchtiger Kasten, es fehlen ihm Rhythmus und Harmonie. Also wird der Bundestag die fehlenden Millionen drauflegen müssen, so die durchsichtige Überlegung.

War denn die Entscheidung zur Schloss-Rekonstruktion nicht ohnehin mit dem Bild des kuppelbekrönten Bauwerks im Sinn gefallen? Mag man sich den Bau gestutzt überhaupt vorstellen? Das historische Bild, das sich im öffentlichen Gedächtnis eingenistet hat, ist das des späten 19. Jahrhunderts, mit Kuppel, Festschmuck, Farbenpracht, das heitere Bild einer vergangenen Epoche. Die wird nicht wiederkehren, auch mit Kuppel nicht; aber ein Gefühl für den Proportionssinn früherer Zeiten wird sie vermitteln können, wenn sie denn einmal in voller Schönheit wiederhergestellt sein sollte.

Stüler, der Architekt auch des gerade wiederhergestellten Neuen Museums, war alles andere als rückwärtsgewandt. Er nutzte die neueste Technik – und konstruierte die Kuppel als Skelettbauwerk, das erst in seiner Natursteinverkleidung massiv wirkte wie der Mauerwerksbau des Schlosskorpus. So müsste auch der Neubau errichtet werden. 15 Millionen Euro scheinen nicht zu viel, um das Bild des historischen Berlin zu vervollständigen. Der steuerzahlende Bürger ahnt indes, dass es bei diesem Zuschlag nicht bleiben wird. Schon kursieren Zahlen von 700 Millionen Euro Gesamtkosten fürs Schloss. Der Bürger seufzt – und hofft, dass das Ergebnis den Aufwand rechtfertigt. Und zwar mit Kuppel. 

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