Porträt: Lance Armstrong : „Ich vermisse die Kameradschaft im Radsport“

Lance Armstrong, siebenmaliger Tour-de-France-Sieger, will wieder aufs Rad steigen und nächstes Jahr bei der Frankreich-Rundfahrt starten.

Sebastian Moll

Lance Armstrong sehnt sich nach den alten Zeiten. Damals, als er der beste Radsportler der Welt war, als Doping bei der Tour de France noch ein Randthema war, damals, als „die Kameradschaft der Kollegen im täglichen Training“ noch etwas zählte. Diese Kameradschaft vermisst Armstrong, wie er jetzt bekannt hat. Nun trat er bei einem 100-Meilen-Mountainbike-Rennen durch die Rocky Mountains an – und wurde knapp hinter einem Spezialisten Zweiter.

Seitdem verdichten sich die Gerüchte, dass der Tour- Champion in der kommenden Saison wieder aufs Rennrad steigt. Am Montag meldete das amerikanische Radsportportal Velonews, dass der Texaner nächstes Jahr für die kasachische Mannschaft Astana bei der Tour an den Start gehen werde. Das von der kasachischen Industrie finanzierte Team war in diesem Jahr wegen seiner Dopingvergangenheit nicht zur Tour zugelassen worden.

1996 hatte Armstrong einen Krebs besiegt, dann sieben Mal die Tour gewonnen, und war nach seinem Rücktritt 2005 zwei Mal beim New-York-Marathon mitgelaufen. Was treibt ihn an? Warum sollte er sich, der im Oktober 37 Jahre alt wird, dem Risiko einer Blamage aussetzen? Wegen der Kameradschaft im Training? Neal Rogers von Velonews glaubt, Armstrong steige wieder in den Sattel, weil er alle Dopinggerüchte ein für alle Mal ausräumen wolle.

Eine Voraussetzung fürs Comeback hat Armstrong bereits erfüllt: Er meldete sich beim Testprogramm der amerikanischen Anti- Doping-Behörde Usada an. Er will, wenn er wieder Straßenrennen fährt, fortlaufend alle seine medizinischen Daten im Internet veröffentlichen. Ob es ihm gelingt, auf diese Art und Weise nachträglich seine unantastbare Dominanz in einem schwer belasteten Sport glaubwürdiger zu machen, ist aber zweifelhaft. Die Blut- und Urinwerte, die Armstrong zu sammeln gedenkt, werden von Medizinern ermittelt, die seine zukünftige Mannschaft bezahlt. Was da auf Armstrongs Homepage erscheint und was nicht, liegt also in seiner Hand. Ein achter Tour-Sieg nach einer dreijährigen Pause würde nur noch mehr Fragen aufwerfen.

Insofern ist verständlich, dass die Radsportwelt auf die Comeback-Gerüchte nicht gerade euphorisch reagiert. „Das lenkt doch nur von unseren Versuchen ab, eine neue Zukunft für den Radsport aufzubauen“, sagte der Manager der T-Mobile Nachfolgemannschaft Columbia Bob Stapleton. Sebastian Moll

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