PORTRÄT LARS WINDHORST : "Ich sage dazu nichts"

Der Finanzjonglieur ist zum zweiten Mal pleite. Keiner weiß, wo er steckt. Ob seine Gläubiger dieses Mal klein bei geben, ist zu bezweifeln.

Ralf Schönball

Er war das Aushängeschild einer neuen Unternehmergeneration: Als 17-Jähriger reiste der Gründer einer Computerfirma mit einer Delegation des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl nach Vietnam, später gaben sich in seinem Büro am Potsdamer Platz Politiker und Prominenz die Klinke in die Hand: Sogar Hollywoodstar Michael Douglas schaute vorbei.

Das war in den 90er Jahren, als Kleinanleger die Börse stürmten und Telekom-Aktien kauften, weil Schauspieler Manfred Krug für das Papier warb. Am Neuen Markt wurden damals Ideen für Millionen verkauft. Der Mann aus Rahden in Westfalen hatte Pläne zuhauf und strahlte den Charme und die Unschuld der Jugend aus. Ein früherer Geschäftspartner sagt: „Er versteht es wie kein anderer, Vertrauen und ein gutes Gesprächsklima herzustellen – und dann verkauft er einem einfach alles.“ Sein letztes großes Vorhaben vor seinem ersten grandiosen Scheitern war der Bau eines Wolkenkratzers in Vietnams Ho-Chi- Minh-Stadt.Wenig später brach sein verschachteltes Firmenimperium zusammen. Ein erstes Mal.

Im deutschen Wirtschaftsleben gilt eine Pleite oft noch als Schande. Nicht für Windhorst. Er kehrte zurück, schneller, als jeder es ihm zugetraut hätte. Keine drei Jahre brauchte er dazu, seine Gläubiger zu überzeugen, auf den größten Teil ihrer Forderungen zu verzichten. Der Schaden soll sich laut Insolvenzverwalter auf 69 Millionen Euro belaufen haben. Und nach dem Vergleich war es ausgerechnet frisches Kapital eines früheren Gläubiger, die Windhorsts Rückkehr möglich machte.

Als Geschäftsführer der Firma Vatas kaufte der Mann mit den blauen Augen 2007 groß ein: Darunter fast 20 Prozent der Aktien der Fluggesellschaft Air Berlin und 22 Prozent der Papiere von Telefondienstleister Freenet. Nur drei Monate später erzielte die Firma einen Gewinn von 100 Millionen Euro – durch eine Sonderausschüttung, die Windhorst durchsetzte.

Doch dieses Geld ist weg, und Windhorst steht zum zweiten Mal vor einem Scherbenhaufen. Der Insolvenzverwalter hat die Geschäfte bei Vatas übernommen. Wie es zu dazu kam, liegt noch im Dunkeln, und Windhorst selbst ist abgetaucht. Die Bank Nord LB habe die Firma von Windhorst auf Zahlung von rund 150 Millionen Euro verklagt, schreibt der Verwalter. Insider schmunzeln und sagen: Insolvent ist man nur, wenn man seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann – und nicht wegen einer Klage.

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