PORTRÄT LAUREN BOOTH SCHWÄGERIN VON TONY BLAIR: : „Ich spürte absolute Seligkeit“

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Seit ein paar Tagen liest Lauren Booth täglich im Koran. Als sie am Wochenende mit der „Mail on Sunday“ sprach, war sie schon auf Seite 60. Sie isst kein Schweinefleisch mehr, hat seit 50 Tagen keinen Alkohol angerührt und trägt das Kopftuch, wenn sie ausgeht. Sie will nicht einmal ausschließen, dass sie auch die Burka, den Ganzkörperschleier trägt, der in einigen europäischen Ländern schon verboten ist. „Wer weiß, wo mich meine spirituelle Reise noch hinführt“, sagte sie der Zeitung.

Lauren Booth ist zum Islam konvertiert, was nicht weiter erwähnenswert wäre, wenn sie nicht die Schwägerin von Tony Blair, Halbschwester seiner Frau Cherie wäre. Die Blairs haben bekanntlich eine Leidenschaft für die Religion. Tony konvertierte ja selbst zum Katholizismus und auch dieser Glaubensschritt fand unter reger Beteiligung der britischen Medien statt. Blair war dreimal zu einer Audienz bei Päpsten. Lauren hatte ihr Erweckungserlebnis in der heiligen Stadt Qom im Iran – sie arbeitet als Journalistin beim englischsprachigen staatlichen iranischen Fernsehen. „Es war ein Dienstagabend, ich setzt mich nieder und fühlte einen Schuss spirituelles Morphium, absolute Seligkeit und Freude“, sagte sie der „Mail on Sunday“.

Sympathie für Muslime hatte sie schon lange. In Palästina, wo sie an einer Aktion zum Durchbrechen der Blockade von Gaza teilnahm, während der Schwager sich im Hotel Jerusalem um Frieden bemühte. Der Umgang mit Muslimen mache sie „stark und froh“. Im Schrein der Fatima al Masumeh in Qom war das Wohlgefühl noch stärker. Nachdem sie ein Gebet für den Frieden in Palästina gesagt hatte, erfüllte sie ein Gefühl der absoluten Freude, „wie wenn man verliebt ist“, erzählte sie Muslimen auf dem Londoner Islam Festival „Global Peace and Unity“.

Zyniker spekulieren nun über Laurens hormonelles Ungleichgewicht oder machen ihr Gewichtsproblem verantwortlich. Sie gilt allgemein als Aufmerksamkeitshascherin. 2007 lebte sie als Teil einer TV-Reality-Show mit anderen „Celebrities“ im Dschungel. In Zeitungsartikeln packte sie immer wieder über die Blairs aus. „Ich habe gesehen, wie sie sich verändert und verhärtet haben“, schrieb sie.

Tony Blair wird die Bekehrung der Schwägerin nichts ausmachen. Zu seinen vielen wohltätigen Instituten gehört auch die „Tony Blair Faith Foundation“. Ihren Stiftungszweck, Respekt und Verständnis zwischen den Weltreligionen zu schaffen, kann der Ex-Premier nun auch im Familienkreis vorantreiben. Matthias Thibaut

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