• PORTRÄT LEYLA ZANA KURDISCHE POLITIKERIN:: „Türken und Kurden sollen sich verbrüdern“

PORTRÄT LEYLA ZANA KURDISCHE POLITIKERIN: : „Türken und Kurden sollen sich verbrüdern“

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Als Leyla Zana als frisch gewählte Abgeordnete im Jahr 1991 ihre Vereidigungsformel im Parlament von Ankara sprach, leitete schon dieser erste Aufritt im Plenum das vorläufige Ende ihrer Karriere ein. Denn Zana, die erste Kurdin im türkischen Parlament, fügte ihrem türkischen Eid einen Satz auf Kurdisch hinzu: Für die Verbrüderung des türkischen und des kurdischen Volkes wolle sie sich einsetzen.

Zana und andere Kurdenpolitiker wurden aus dem Parlament geworfen und 1994 wegen Unterstützung der kurdischen PKK-Rebellen zu langen Haftstrafen verurteilt. Erst 2004 kam sie aus dem Gefängnis. Jetzt wird Zana wohl auf die politische Bühne zurückkehren: Die 49-jährige kandidiert bei der Parlamentswahl am 12. Juni für ein Direktmandat – obwohl ihr das die türkische Wahlkommission am Montag zunächst hatte verbieten wollen.

Am Donnerstag korrigierte die Kommission nun ihre ursprüngliche Entscheidung. Zana und sechs weitere kurdische Politiker waren offiziell wegen ihrer Vorstrafen ausgeschlossen worden. Das Gremium habe seine ursprüngliche Ablehnung der Kandidaturen am Montag „nach der Prüfung zusätzlicher Dokumente der Gerichte“ revidiert, berichtete der türkische Nachrichtensender NTV. Der Ausschluss von der Wahl hatte zuvor einen Sturm der Empörung ausgelöst. Politiker aller Parteien kritisierten die Entscheidung, in Istanbul und zahlreichen Städten im Südosten des Landes war es zu teils gewalttätigen Ausschreitungen junger Kurden gekommen.

Wenn Zana bei einem Wahlerfolg in Ankara wieder Kurdisch sprechen will, dürfte sie diesmal weit weniger Probleme haben als 1991. Viele Sprachverbote der 1990er Jahre wurden in den vergangenen Jahren abgeschafft. So ist Wahlkampf auf Kurdisch inzwischen erlaubt, ein staatlicher Fernsehsender strahlt ein kurdisches Vollprogramm aus. Auch haben mehrere Kurdenpolitiker sowohl im Fraktionssaal als auch im Plenum ihre Muttersprache benutzt, ohne dass sie ins Gefängnis kamen.

So ganz kann sich der türkische Staat aber immer noch nicht mit dem Kurdischen anfreunden. Als sich der Abgeordnete Hasip Kaplan vor einigen Monaten bei einer Rede im Parlament auf Kurdisch darüber beschwerte, dass das Kurdische von der Volksvertretung als „unbekannte“ und damit nicht zugelassene Sprache eingestuft werde, schaltete die Sitzungspräsident kurzerhand das Mikrofon ab. Susanne Güsten

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