Porträt Liliane Bettencourt : „Françoise möge sich gedulden bis zu meinem Tod“

Hausdurchsuchungen kommen in den besten Kreisen vor. Gestern war Liliane Bettencourt, die Erbin des Kosmetikkonzerns L’Oréal, an der Reihe.

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Liliane Bettencourt Foto: dpa
Liliane BettencourtFoto: dpa

Beamte des auf Finanzdelikte spezialisierten Dezernats der Kripo hatten sich bei der 87-jährigen Milliardärin in deren Domizil im Pariser Vorort Neuilly angesagt. Während einige Beamte sie zu Vorwürfen der Steuerflucht und möglicher illegaler Spenden für Präsident Nicolas Sarkozys Wahlkampf befragten, filzten andere ihre Gemächer.

Auslöser der Affäre, die Frankreich mit täglich neuen Enthüllungen in Atem hält, ist ein Zwist zwischen der milliardenschweren Erbin und ihrer Tochter Françoise. Diese versucht seit einiger Zeit, die Mutter für unmündig erklären zu lassen, um zu verhindern, dass deren Hausfreund, ein stadtbekannter Pariser Salonlöwe, nach einer ersten Milliarde auch noch der Rest des Bettencourt-Vermögens in die Hände fällt. Vergangene Woche wies die Staatsanwaltschaft einen neuen Vormundschaftsantrag der Tochter ab. „Françoise möge sich bis zu meinem Tod gedulden“, sagte die Mutter dazu.

Aus dem Familienstreit ist längst ein Politskandal geworden, seit heimliche Aufzeichnungen von Gesprächen der Milliardärin mit ihrem Vermögensverwalter belegen, dass sie illegale Konten mit einem für ihre Verhältnisse lächerlichen Guthaben von 78 Millionen Euro in der Schweiz unterhielt und eine Seychellen-Insel im Wert von 500 Millionen vor dem Fiskus verheimlichte. Hoch explosiv ist indes die Aussage der früheren privaten Buchhalterin Bettencourts: Sie behauptet, sie habe die Umschläge mit den Geldbeträgen bereitstellen müssen, die Politikern bei Besuchen im Hause Bettencourt diskret zugesteckt wurden. Unter anderem erinnert sie sich an 150 000 Euro in bar, die Madame Bettencourt im Januar 2007 in ihrer Gegenwart dem Vermögensverwalter für den damaligen Schatzmeister von Sarkozys Wahlbüro, Eric Woerth, übergeben habe.

Der Verwalter bestreitet das. Woerth, den späteren Budgetminister und heutigen Arbeitsminister, habe er nicht getroffen. Aus seinem beschlagnahmten Terminkalender geht jedoch hervor, dass er am Morgen nach der Aushändigung der 150 000 Euro eine Verabredung mit „Eric W. im Café“ hatte. Ob es sich bei „W.“ um Woerth handelt, dessen Frau später in die Bettencourt-Vermögensverwaltung eintrat, ist die Frage, die die Ermittler bei dem für heute angesetzten Verhör dem Minister stellen werden. Hans-Hagen Bremer

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