• PORTRÄT LOBSANG SANGAY NEUER FÜHRER DER TIBETER:: „Er wird immer mein Oberhaupt bleiben“

PORTRÄT LOBSANG SANGAY NEUER FÜHRER DER TIBETER: : „Er wird immer mein Oberhaupt bleiben“

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Für die Tibeter geht eine Ära zu Ende. Der 43-jährige Lobsang Sangay ist zum neuen Chef der Exil-Regierung gewählt worden – und soll den Dalai Lama als politisches Oberhaupt beerben. Der 75-jährige „Gottkönig“ hatte im April angekündigt, dass er zwar spirituelles Oberhaupt bleiben, aber nach 60 Jahren als politischer Führer zurücktreten will.

Gebildet, auslandserfahren und redegewandt scheint Sangay die Idealbesetzung für die Rolle. Schon äußerlich symbolisiert er den Generationenwechsel – und den Abschied von der 400-jährigen Herrschaft der Mönche. Statt Kutte trägt er Anzug, statt zu meditieren unterrichtete er bisher lieber Jura an der renommierten Harvard-Universität. Von Anfang galt der Vater einer vierjährigen Tochter, der seit 1995 in den USA lebt, als Favorit unter den drei Bewerbern. Mit 55 Prozent der Stimmen erhielt er nun die klare Mehrheit.

Für Sangay heißt seine Wahl zunächst Umzug: Im Mai will er von den USA in das abgeschiedene Himalya-Nest Dharamsala in Nordindien umsiedeln, wo die Exilregierung und der Dalai Lama ihren Sitz haben. Nach einer Lehrzeit soll er im August die Amtsgeschäfte übernehmen, dabei wird er am Kurs des Dalai Lamas kaum rütteln. Im Tibet-Konflikt setzt auch er auf Dialog, nicht Gewalt. Schon in der Vergangenheit hatte Sangay wiederholt Konferenzen mit chinesischen Wissenschaftlern organisiert, um den Austausch zu stärken. Als seine Vorbilder nennt er Ikonen des gewaltlosen Kampfes wie Gandhi, Nelson Mandela und Martin Luther King.

Sangay weiß, dass die Schuhe riesig sind, die er auszufüllen hat. Die tibetische Exilregierung ist bis heute von keinem Staat der Welt anerkannt. Dass die Exil-Tibeter trotzdem weltweit Gehör fanden, verdankten sie dem Dalai Lama und seiner Rolle als spirituellem Führer. Diesen Bonus hat Sangay nicht. Nicht nur China wird ihn vermutlich schneiden. Auch andere Regierungschefs dürften zögern, ihn zu empfangen – aus Angst, es sich mit China zu verscherzen.

Dennoch sah der Dalai Lama keine Alternative: Mit seinem Rückzug will er verhindern, dass sein entwurzeltes Volk nach seinem Tod führerlos ist. Und er will die Chinesen ausbremsen, die offenbar planen, einen eigenen Dalai Lama von ihren Gnaden zu ernennen. „Ich werde mein Bestes geben, um die Erwartungen der Tibeter zu erfüllen“, verspricht Sangay – aber fügt hinzu: „Der Dalai Lama wird immer mein Oberhaupt bleiben.“ Christine Möllhoff

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