• PORTRÄT LORD SIMON WOLFSON BRITISCHER ABGEORDNETER:: „250 000 Pfund für die Lösung der Euro-Krise“

PORTRÄT LORD SIMON WOLFSON BRITISCHER ABGEORDNETER: : „250 000 Pfund für die Lösung der Euro-Krise“

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Für eine Schaunummer sei es ein bisschen teuer, meinte Lord Wolfson. 250 000 zukunftssichere Pfund bietet der Chef der Kleiderkette „Next“ daher für eine Antwort auf die dringlichste Frage unserer Zeit: Wie könnte der Austritt eines Landes aus dem Euro am besten gemanagt werden? Einsendeschluss ist der 31. Januar 2012, denn die Zeit drängt. Akademiker und Denkfabriken sind gefragt. Politiker würden ja schon mit einer bloßen Andeutung von Nachdenken das Unheil herbeiführen, das verhindert werden muss – der chaotische Zusammenbruch der Euro-Zone.

Wenn der Euro im Chaos auseinanderbricht und das Weltbankensystem mit in den Abgrund zieht, würde „die Reparatur eine Generation dauern“, warnt Preisstifter Wolfson. Wie alle Briten sieht er ein gefährliches „Denkvakuum“ in den Schaltstellen der Euro-Macht.

Pfiffige Ideen hatte er schon, als er noch Hosenverkäufer bei „Next“ war und Simon Wolfson hieß. So gut war er, dass er nach einem Jahr zum persönlichen Assistenten des Geschäftsführers aufrückte. „Schnell arbeitete er sich von der Pike auf nach oben“, heißt es in seiner Biografie. Mit 33 wurde er Chef, jüngster Leiter eines Großunternehmens im Land. Aber irgendwie war es ihm in die Wiege gelegt. Auch sein Vater war Lord und Vorstandsvorsitzender der Modekette.

Seither ist Wolfson treuer Wegbegleiter der Tories und hilft mit Rat, Tat und Spenden. Aber nicht alle seine Ideen sind willkommen. Etwa, als er jüngst „mehr Immigration“ forderte, um die Wirtschaft anzukurbeln, oder in einer Attacke gegen politische Korrektheit alle aufforderte, bei der Frage nach der Hautfarbe das Kästchen „schwarz“ anzukreuzen. Auch sein Vorschlag, die britische Forschung und Innovationsfreude mit einer Direktautobahn von Oxford nach Cambridge anzufachen, stieß bei den Tory-Parlamentariern, die auf der Strecke ihre Wahlkreise haben, auf wenig Gegenliebe.

Wolfson gehört zu jenen Briten, die immer schon wussten, dass der Euro eine Fehlkonstruktion war, deren Freude an ihrer Besserwisserei aber nun von nackter Angst vor der Katastrophe verdorben wird. „Hoffen wir, dass die Euro-Zone sich weiter durchwursteln kann. Aber so tun, als könne sie nicht auseinanderbrechen und nicht darüber nachzudenken, macht es nicht weniger wahrscheinlich“, so Lord Wolfson. Lösungsvorschläge sind an den konservativen Thinktank „Policy Exchange“ zu richten, der den Wettbewerb organisiert. Matthias Thibaut

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