PORTRÄT LOTHAR KÖNIG JUGENDPFARRER IN JENA: : „Sie wollen den Widerstand brechen“

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Foto: dapd
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Der evangelische Pfarrer Lothar König ist eine Identifikationsfigur für diejenigen, die sich in Jena gegen Rechts engagieren. Jetzt hat die sächsische Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn erhoben: Er soll am 19. Februar in Dresden junge Menschen, die gegen rechtsextreme Aufmärsche demonstrierten, zu gewaltsamen Übergriffen auf Polizisten aufgewiegelt haben.

Angesichts des Zeitpunkts der Anklage ist der Aufschrei laut. Ebenso, wie sich die Familienministerin wegen der von anti-extremistischen Gruppen geforderten „Demokratieerklärungen“ in der Kritik sieht, fragen auch die Leute in Jena: Wie kann die Justiz so hart gegen Menschen vorgehen, die gegen rechte Gewalt kämpfen, während es nicht gelang, die rechten Terroristen zu fassen?

Seit 1990 ist König Pfarrer in Jena, seine Junge Gemeinde Stadtmitte ist ein wichtiger Treffpunkt. In den 90er Jahren war die Junge Gemeinde deshalb Angriffen rechts gesinnter Jugendlicher ausgesetzt. Sie verprügelten junge Leute, unter anderem die Tochter Königs. Der erstattete Anzeige. Doch die Polizei reagierte nicht, bezeichnete die Besucher der jungen Gemeinde vielmehr als linksextremistisch, warf ihnen vor, sie würden doch auch zuschlagen. Jetzt die Anklage gegen den Pfarrer. Bodo Ramelow, Vorsitzender der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag, echauffiert sich: Die Justiz setze die Strategie fort, couragierte Menschen zu diffamieren und zu kriminalisieren. Das sei ein Skandal, friedlicher Protest gegen Nazis keine Straftat. König bestreitet alles, wirft der Polizei vor: „Sie wollen den Widerstand gegen Nazi-Proteste brechen.“

Vorgeworfen wird dem Pfarrer nicht der friedliche Protest, sondern das Aufwiegeln zum Steinewerfen auf Polizisten. Ein Verfahren wegen „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ wurde inzwischen eingestellt. Die Staatsanwaltschaft begründet die Anklage mit Videoaufnahmen, auf denen zu sehen sein soll, wie König agitiert. Außerdem sagt ein wegen Steinewerfen verurteilter Demonstrant, der Pfarrer habe ihn in seinem Lautsprecherwagen vorübergehend vor der Polizei versteckt. Angesichts der schweren Vorwürfe ist die Staatsanwalt verpflichtet, Anklage zu erheben. Das müssen auch die Linke und der Pfarrer verstehen. Sollten sich die Vorwürfe als unhaltbar erweisen, dürften die Vorwürfe, die Polizei setze bei den Ermittlungen gegen Rechts und Links falsche Prioritäten, umso lauter werden. Veronica Frenzel

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