PORTRÄT LOTHAR BISKY LINKEN-PARTEICHEF: : „Ich war der Urkommunist“

An diesem Wochenende bekommt die Linkspartei ihren Bisky zurück – auf gleich vier Terminen meldet sich Oskar Lafontaines Ko-Chef zurück.

Matthias Meisner
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Lothar Bisky -Foto: Thilo Rückeis

Viele in seiner Partei hätten verstanden, wenn Lothar Bisky sich jetzt zurückgezogen, zumindest eine längere Pause von der Politik gemacht hätte: Weihnachten hat er erfahren, dass sein Sohn Stephan, 25, im schottischen Edinburgh gestorben ist – gemeinsam mit seiner Frau Almuth wartete er einen Tag vor Heiligabend am Leipziger Flughafen vergeblich auf seinen Jüngsten. Seine Genossen informierte er per kleiner Traueranzeige im „Neuen Deutschland“. Die „Bild am Sonntag“ lud er auf seine Datsche ins sächsische Schildau ein, um über seinen „Vaterschmerz“ zu sprechen: „Man hat mir ein Drittel meines Lebens genommen. Aber Stephan würde mit mir meckern, wenn ich jetzt jammern würde.“ Er wisse nur, sagte Bisky, „dass wir in dieses scheißnormale Leben zurückfinden müssen“.

An diesem Wochenende bekommt die Linkspartei ihren Bisky zurück – auf gleich vier Terminen meldet sich Oskar Lafontaines Ko-Chef zurück. Der Vorstand der Partei der europäischen Linken tagt unter seinem Vorsitz in Berlin. Der Bundesausschuss der Linken will ihn zum Spitzenkandidaten der Europawahl bestimmen. Selbst die Teilnahme an einer Podiumsdiskussion zu Sozialabbau, Krieg und Frieden – Ausrichter der Konferenz ist die linksradikale Zeitung „Junge Welt“ – hat er nicht abgesagt. Am Sonntag wird der 67-Jährige bei der traditionellen Liebknecht-Luxemburg- Demo auf dem Berliner Friedhof Friedrichsfelde einen Kranz niederlegen. Die Wer te Rosa Luxemburgs, erklärt er dazu, seien „heute noch bedeutsam und orientierend – ohne Sozialismus keine Demokratie und ohne Demokratie kein Sozialismus“.

Politisch schwierige Situationen hatte es für Bisky einige gegeben – nach acht Jahren an der Spitze der PDS legte er 2001 den Vorsitz nieder: Mit den Worten „Die finale Mülltonne ist voll“ kommentierte er die innerparteilichen Grabenkämpfe. Er musste den Verdacht abwehren, Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi gewesen zu sein. 2005 scheiterte er mit seiner Bewerbung als Bundestagsvizepräsident. Aber die Partei verlangte immer wieder nach ihm – auch weil der zuweilen als zu nett geltende Bisky eben doch ein Korrektiv zum starken Chef Lafontaine ist. „Ich war der Urkommunist und nicht gerade der beliebteste Mann Deutschlands“, sagt Bisky über sich. Diese Rolle wird er weiter ausfüllen – „endlich Ruhe“, wie er es sich vor Jahren schon gewünscht hatte, gönnt ihm die Partei frühestens zum Ende seiner Amtszeit 2010.Matthias Meisner

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