PORTRÄT : Luca Toni: „Ich will nur nach Rom“

Glaubt man den Verlautbarungen, dann hat Luca Toni München dermaßen satt, dass er für den Zeitraum von jetzt bis 2011 eine Gehaltseinbuße hinnimmt, und, eigentlich ein Unding und Höchstmaß der Selbstkasteiung, ins Land Berlusconis zurückgeht.

Helmut Schümann
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Foto: dpadpa

Va bene, wenn man das Ohrenschrauben als bewunderns- und beneidenswerten Ausdruck des herrlich leichten dolce vita versteht, dann, aber nur dann, ist Luca Toni an Deutschland gescheitert. Und dann, aber nur dann, ist Deutschland immer noch das Land der Schwermut, der Grübler, der Griesgrame. Und dann, aber wirklich nur dann, war das Wintermärchen von 2006, bei dem wir alle glücksbesoffen und completamente mediterran durch die Straßen tanzten, eine Chimäre.

Luca Toni, der 32 Jahre alte und erklecklich teure Fußballer des FC Bayern München, wird nach Stand der Dinge das Land wohl verlassen und heimkehren nach Italien, genauer zum AS Rom. Glaubt man den Verlautbarungen, hatte er München dermaßen satt, so dermaßen, dass er für den Zeitraum von jetzt bis 2011 eine Gehaltseinbuße hinnimmt, auf satte 3,6 Millionen Euro verzichtet und, eigentlich ein Unding und Höchstmaß der Selbstkasteiung, ins Land Berlusconis zurückgeht. Damals, vor zwei Jahren, als er nach Deutschland zu den Bayern kam, da wurden diesem Transfer gleich mehrere Metaebenen zugeordnet.

Da war Luca Toni der lebende Beweis, dass Fußball-Deutschland wieder wer ist, weil es einem deutschen Klub gelingt, einen Italiener, einen Weltmeister, einen Weltstar, zudem sündhaft im Preis, über die Alpen zu locken. Und vor allen Dingen belegte dieser Mittelstürmer, der aussieht, wie Italiener auszusehen haben, dass dieses Volk der Deutschen den Gemütsumschwung auch über den pastagefüllten Tellerrand hinaus geschafft hat. Und wie war Luca Toni doch glücklich an der Isar, schoss Tor um Tor in seinem ersten Jahr, pries die Lebensart Münchens, die Leichtigkeit, die Souveränität, die Küche, die Freunde, la famiglia des FC Bayern. Nach jedem Treffer schraubte er an seinem Ohr herum, was immer diese Geste bedeuten sollte. So weit sind wir Deutschen dann doch noch nicht, aus dieser Geste mehr als sinnfreie italienische Theatralik herauszulesen. Aber deswegen geht man ja nicht fort, „ich will nur nach Rom, alles andere interessiert mich nicht“, hat er gesagt. Es gab schon noch etwas, was ihn interessierte, vor allem, was seinen Trainer interessierte. Luca Tonis Tore waren rar geworden, was die Leichtigkeit des Verhältnisses zwischen ihm und Trainer Louis van Gaal arg beschwert hat. Der ist übrigens Niederländer, mit nüchternem Herzen und akkurater Haartolle, man könnte sagen, wie Deutschland mal war.

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