PORTRÄT MAGED JENDIA, HAMAS-REGISSEUR : "Ich vermisse Deutschland"

Zehn Jahre hat er in Moabit getanzt, Bier getrunken und das Filmemachen gelernt. Jetzt macht Maged Jendia Propaganda-Filme für die Hamas.

Martin Gehlen

Um große Sprüche sind die Macher nicht verlegen. „Hamaswood statt Hollywood“, protzte Fathi Hamad, der palästinensische Innenminister im Gazastreifen, als er das neueste Projekt vorstellte. An vielen Ecken in Gaza-Stadt stößt man dieser Tage auf Plakate, die für den ersten von Hamas produzierten Spielfilm werben. Sie zeigen einen entschlossen dreinblickenden Helden mit Sturmgewehr, im Hintergrund davonlaufende israelische Soldaten. Am Samstag kommt der Streifen nun ins Kino, oder besser ins Kulturzentrum von Gaza-Stadt, den einzigen Ort, wo Filmvorführungen möglich sind. Umgerechnet zwei Euro muss berappen, wer das 150 Minuten lange Opus sehen will – die Saga von Emad Akel, einem legendären Hamas-Kämpfer aus den frühen 90er Jahren.

Der Regisseur des Streifens, Maged Jendia, ist in seinem Herzen immer noch Berliner. Zehn Jahre lang hat der 42-Jährige mit Dreitagebart und getönter Brille in Moabit gelebt. Das Ingenieurstudium an der Technischen Universität Berlin warf er nach sechs Jahren hin und wechselte an die Hochschule der Künste, wo er bei dem Regisseur und Schauspieler Wolfgang Kroke das Filmhandwerk erlernte. Kroke war Regieassistent bei Volker Schlöndorffs „Blechtrommel“, der als erster deutscher Film einen Oscar erhielt. 1996 kehrte Filmschüler Jendia auf Wunsch seiner Familie in den Gazastreifen zurück („kein Bier mehr und kein Tanzen, das ist mir sehr schwer gefallen“). Seither hat er den von der Außenwelt abgeschotteten Küstenstreifen nur noch ein einziges Mal verlassen, für einen Kurzbesuch auf einem Fernsehfestival in Kairo.

In der Bevölkerung hieß der damals 23-jährige Akel nur „der Geist“, weil er oft in Verkleidung operierte, einmal sogar als jüdischer Siedler. Jahrelang stand er ganz oben auf der israelischen Fahndungsliste, weil er an der Ermordung von elf israelischen Soldaten beteiligt gewesen sein soll. 1993 wurde er schließlich bei einem Gefecht im Gazastreifen getötet. Das Drehbuch schrieb Mahmud al Zahar, Mitbegründer der Hamas und der starke Mann im Gazastreifen.

„Ich vermisse Deutschland“, sagt Jendia, und dass er während des Gazakrieges immer die Gedächtniskirche vor Augen gehabt habe – als Mahnmal für die Brutalität von Krieg. „Zum ersten Mal sind jetzt auch unsere Moscheen bombardiert und zerstört worden“, sagt er, der zu den islamischen Gebetszeiten im Studio als Vorbeter fungiert. „Das hat mich tief verletzt.“ Martin Gehlen

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