PORTRÄT MAGNUS CARLSEN SCHÜLER UND SCHACHSPIELER: : "Ich sitze viel am Computer"

Im Gesicht trägt er noch Babyspeck, obwohl er immerhin schon 17 ist. In Oslo geht er zur Schule und macht auch sonst, was Teenager auszeichnet – mit nur einem Unterschied: Im Schachspielen hat Magnus Carlsen eine Freizeitbeschäftigung gefunden, für die er außerordentlich begabt ist.

André Anwar

Im Gesicht trägt er noch Babyspeck, obwohl er immerhin schon 17 ist. In Oslo geht er zur Schule und macht auch sonst, was Teenager auszeichnet – mit nur einem Unterschied: Im Schachspielen hat Magnus Carlsen eine Freizeitbeschäftigung gefunden, für die er außerordentlich begabt ist. So begabt, dass er sich innerhalb von zwei Jahren von Platz 63 der Weltrangliste auf Nummer sechs spielte. Mit der Großzügigkeit der Altetablierten haben Schachlegenden wie Putin-Kritiker Garry Kasparow und auch die gegenwärtige Nummer eins, Viswanathan Anand aus Indien, den „norwegischen Jungen“ öffentlich als den zukünftigen Weltmeister gepriesen.

Vielleicht kommt dieser Moment jetzt schneller, als es Anand lieb ist. Denn bei einem Turnier, das gestern in Bilbao begann, könnte Carlsen als mit Abstand jüngster Weltmeister aller Zeiten Geschichte machen. Diesen Rekord hielt bislang Kasparow, der den Titel mit 22 gewann.

Selbst gibt sich Carlsen eher nachlässig, nicht zu ehrgeizig – ganz typisch für die von Skandinaviern gern zur Schau getragene Bescheidenheit. Er hänge zwar nach der Schule viel vor dem Computer, sagt er, aber vor allem, um mit Freunden zu chatten. Dabei gibt er sich schüchtern und hat es schwer, den ihn zunehmend belagernden Journalisten in die Augen zu blicken. Ganz der Computerfreak.

Ist Carlsen ein Wunderkind? Nicht ganz. Während seiner vielen Stunden vor dem PC fing der Teenager an, mit aller Welt Schach zu spielen. Durch dieses ständige Training, das sich über Nachmittage und manchmal über ganze Nächte hinzog, eignete er sich Kenntnisse an, die nun die Schachweltspitze zum Schwitzen bringt. Auch als er bereits ganz Norwegen besiegt hatte, wurde er kaum beachtet. Das Königreich mit seinen gerade mal 4,5 Millionen Einwohnern ist weniger als Schmiede für Schachweltmeister als für seine düsteren Bohrinseln bekannt.

Schon vor Carlsen gab es aber Schachwunderkinder, die, mit Computern hochtrainiert, ähnlich jung Erfolge feierten, aber, bevor es wirklich ernst wurde, scheiterten. Vielleicht ist Carlsen auch deshalb so vorsichtig mit seinen Äußerungen. Gehässige Gegner sagen, dass der Norweger leicht autistisch veranlagt sei, weshalb er sich so unheimlich gut, fast manisch, auf ein Spiel konzentrieren könne. Auch Vater Henrik beängstigte der Knabe in jungen Jahren mit seiner ungewöhnlichen Fokussierung auf nur eine einzige Sache. Das Spielen beispielsweise. André Anwar

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben