PORTRÄT : Mamoun Darkanzanli: "Es macht mich sprachlos"

Der US-Geheimdienst soll 2005 ein Killerkommando auf den in Hamburg lebenden Deutschsyrer Mamoun Darkazanli angesetzt haben. Auch für die deutschen Behörden ist der 51 Jahre alte Kaufmann eine schwierige Figur.

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Foto: Reuters

Der Mann braucht starke Nerven. Mamoun Darkazanli wird die Schatten des Terrorverdachts nicht los. Der in Hamburg lebende Deutschsyrer hatte schon reichlich Ärger mit der deutschen und der spanischen Justiz, doch das ist offenbar harmlos im Vergleich zu dem Plan, den die CIA verfolgt haben soll. Der US-Geheimdienst habe 2005 ein Killerkommando auf Darkazanli angesetzt, behauptet das amerikanische Hochglanzmagazin „Vanity Fair“ unter Hinweis auf eine anonyme Quelle. Die „hit squad“ sei von der amerikanischen Sicherheitsfirma Blackwater ausgebildet und wochenlang in Deutschland unterwegs gewesen. Mit dem Auftrag „find, fix and finish“.

Weder die CIA-Repräsentanz in Deutschland noch die Bundesregierung hätten irgendetwas gewusst, schreibt das Blatt. Darkazanli sei aber nichts geschehen, weil Washington der politische Wille fehlte, den letzten Schritt zu tun.

Ob die Geschichte stimmt, bleibt offen. Über die Seriosität von „Vanity Fair“ kann man streiten, außerdem wäre es eine große Überraschung, wenn die CIA oder die US-Regierung den Fall bestätigten. Dennoch ruft der Bericht in Deutschland Empörung hervor. Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach warnt vor einer Belastung der deutsch-amerikanischen Beziehungen, der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele will das Parlamentarische Kontrollgremium einschalten, das die Arbeit der Nachrichtendienste des Bundes überwacht. In Sicherheitskreisen heißt es, man wisse von nichts. Die Hamburger Staatsanwaltschaft prüft, ob sie gegen die CIA ermitteln soll.

Für die deutschen Behörden ist der 51 Jahre alte Darkazanli eine schwierige Figur. Die Bundesanwaltschaft ermittelte jahrelang gegen den Import-Export-Kaufmann, unter anderem wegen seiner Kontakte zur Hamburger Zelle um den 9/11-Selbstmordpiloten Mohammed Atta. Doch 2006 wurde das Verfahren eingestellt. Zuvor war bereits Spanien 2004 mit dem Versuch gescheitert, Darkazanli per europäischen Haftbefehl von Deutschland überstellt zu bekommen. Die spanischen Behörden hielten den Mann für eine Schlüsselfigur von Al Qaida in Europa, Darkazanli kam in Hamburg in Auslieferungshaft, doch das Bundesverfassungsgericht stoppte die Aktion in letzter Minute. Die Richter in Karlsruhe sahen das deutsche Gesetz zum europäischen Haftbefehl kritisch – und kippten es 2005 ganz. Danach kam Darkazanli wieder frei. Frank Jansen

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