• PORTRÄT MANUEL ANTONIO NORIEGA EX-MACHTHABER PANAMAS:: „Kugeln meiner Feinde schmecken mir wie Küsse“

PORTRÄT MANUEL ANTONIO NORIEGA EX-MACHTHABER PANAMAS: : „Kugeln meiner Feinde schmecken mir wie Küsse“

Michael Schmidt

Von einer Haft zur nächsten? Das hatte sich Manuel Antonio Noriega eigentlich anders vorgestellt. Noch zu Jahresbeginn ließ der in den USA Inhaftierte über seinen Anwalt selbstbewusst und wohl ein wenig zu selbstgewiss mitteilen, er werde seinen Lebensabend in aller Ruhe genießen, daheim in Panama, im Kreise seiner Enkel, mit denen er spielen und ansonsten den lieben Gott einen guten Mann sein lassen wolle. Dieser Traum ist ausgeträumt.

Der frühere Machthaber Panamas wird den Genuss der Freiheit weiter missen müssen. Zwar soll der inzwischen 72-Jährige, der 1992 von einem US-Gericht wegen Drogenhandels zu 40 Jahren Haft verurteilt wurde, in zwei Wochen nach 17 Jahren im Gefängnis wegen guter Führung entlassen werden – doch nun will ihn Frankreich haben.

Dort drohen dem Ex-General, der wegen seines pockennarbigen Gesichts auch „die Ananas“ genannt wird, zehn weitere Jahre Haft: wegen Geldwäsche für das kolumbianische Drogenkartell von Medellín. Das Pariser Gericht, das ihn 1999 in Abwesenheit verurteilte, verhängte außerdem eine Geldstrafe von 11,2 Millionen Euro und stellte einen internationalen Haftbefehl aus. Ein Bundesgericht in Miami lehnte am Freitag sein Gesuch ab, das ein Auslieferungsver- fahren wegen seines Status als Kriegsgefangener verhindern sollte. Eine Auslieferung würde seinen Status nicht beeinträchtigen, entschied der Richter. Der Artikel der Genfer Konvention, der eine Überstellung von Kriegsgefangenen verbietet, schütze gewöhnliche Kriminelle nicht vor der Verfolgung in Drittstaaten.

Einst war Noriega ein Verbündeter der USA und Liebling des Geheimdienstes CIA: George Bush Senior und Noriega hatten sich 1976 in Washington bei einem Arbeitsessen kennengelernt – beide waren sie damals die Geheimdienstchefs ihrer Länder. Doch Ende der 80er Jahre fiel er bei der US-Administration in Ungnade. Da er zunehmend mit Drogenkartellen zusammenarbeitete, statt gegen sie vorzugehen, marschierten US-Truppen 1989 in Panama ein. Gut anderthalb Jahrzehnte hatte er auf der CIA-Gehaltsliste gestanden – jetzt wurde er im Rahmen der Operation „Just Cause“, („Gerechte Sache“), gestürzt und gefangen genommen. Er war nicht länger zu halten. Die Vorwürfe gegen ihn wogen schwer – zu schwer, in einer Zeit, da die US-Regierung die Drogen gerade zur größten Bedrohung der amerikanischen Gesellschaft erklärt hatte. Michael Schmidt

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