PORTRÄT MARC FORSTER JAMES-BOND-REGISSEUR: : „In unserer Welt fehlt Fantasie“

Mit der Neuerfindung James Bonds im letzten Film war es den 007-Produzenten gelungen, der in die Jahre gekommenen Filmreihe neues Leben einzuhauchen. Ihr Wagemut hat sich ausgezahlt.

Sebastian Handke

Mit der Neuerfindung James Bonds im letzten Film war es den 007-Produzenten gelungen, der in die Jahre gekommenen Filmreihe neues Leben einzuhauchen. Ihr Wagemut hat sich ausgezahlt: Mit dem deutsch-schweizerischen Regisseur Marc Forster wird erstmals ein Regisseur aus der ersten Reihe Hollywoods ein Abenteuer des britischen Agenten in Szene setzen.

Als jüngster von drei Brüdern in Ulm geboren, zog Marc Forster mit seiner Familie wenig später nach Davos in die Schweiz. Bis heute sieht er sich als „kosmopolitischer Regisseur, der in Englisch dreht“. Erst mit zwölf Jahren durfte er ins Kino: Viel zu jung noch für den Vietnamfilm „Apocalypse Now“, hat der Film den Jungen dennoch derart beeindruckt, dass er fortan Filmemacher als Berufswunsch angab, ganz gleich, wie sehr er dafür belächelt wurde.

Der Sohn eines wohlhabenden Schweizer Arztes legte sein Abitur am renommierten Institut Montana Zugerberg ab. Dann verlor die Familie ihr Vermögen und Forsters Traum von der NYU Film School schien in weite Ferne gerückt. Forster aber schrieb Briefe an reiche Schweizer und fand tatsächlich jemanden, der ihm die ersten beiden Jahre an der Filmschule finanzierte.

Seiner Hartnäckigkeit hat Forster einiges zu verdanken. Er entwickelte sich zu einem Regisseur, der mit jedem neuen Film das Genre wechselte und die Produzenten daher ein ums andere Mal von seiner Eignung überzeugen musste – obwohl ihm bereits mit seinem zweiten Spielfilm der Durchbruch gelungen war: Das Rassismusdrama „Monster’s Ball“ wurde 2001 ein internationaler Überraschungserfolg und brachte Halle Berry den Oscar ein. 2005 folgte „Stay“, ein düsteres Filmrätsel, dessen surreale Bildästhetik in Zusammenarbeit mit der Fotokünstlerin Stefanie Schneider entstand. Im vergangenen Jahr wagte Forster wieder den Sprung ins kalte Wasser und drehte mit „Stranger than Fiction“ ein bizarre kleine Komödie um eine Romanfigur, die sich gegen ihre eigene Autorin zur Wehr setzt. So unterschiedlich diese Filme bislang auch waren, ein Thema ist ihnen gemein: der Tod und wie man damit umgeht.

Das gilt selbst für sein bislang heiterstes Werk „Wenn Träume fliegen lernen“, ein romantischer Familienfilm über die Entstehung des Kinderbuchs „Peter Pan“. Peter Pan selbst hat Marc Forster allerdings erst noch entdecken müssen. „Ich bin in der Schweiz aufgewachsen. Da gab es nur Heidi und die Berge.“ Sebastian Handke

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