PORTRÄT MARIA-ELISABETH SCHAEFFLER, UNTERNEHMERIN : "Das konnte keiner voraussehen"

Der Kauf von Conti zerrte die Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler voriges Jahr ins Licht der Öffentlichkeit. Doch nun stellt die Wirtschaftskrise die Milliardärin vor eine schier unlösbare Aufgabe.

Thomas Magenheim-Hörmann
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Foto: dpa

Noch am Wochenende war die 67 Jahre alte Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler pelzgewandet im mondänen Schickimicki-Ort Kitzbühel gesichtet worden. Nun ist aber klar, dass sie um ihr wirtschaftliches Lebenswerk kämpfen muss. Mit dem Kauf des weitaus größeren Konkurrenten Continental habe sie sich nicht verhoben, beteuert die über den fränkischen Auto zulieferer Schaeffler herrschende Dame jetzt in einem ihrer seltenen Interviews kategorisch. Das Flehen ihrer Vasallen um staatliche Milliardenhilfen spricht allerdings eine andere Sprache. „Wir werden Lösungen finden“, sagt sie, ohne einen Weg zu weisen, und beschreibt sich als Opfer der Finanzkrise. Diese sei kein Vorwand: „Das konnte keiner voraussehen.“

Auf den Tisch gelegt hat der verschwiegene Familienkonzern seine Karten aber bisher noch nicht. Klar ist, dass es mit dem sagenhaften Reichtum der „Schaefflerin“, wie sie am Firmensitz in Franken fast liebevoll genannt wird, nicht mehr so weit her ist. Auf fünf Milliarden Euro wurde ihr Vermögen einmal geschätzt. „Das ist Unsinn, unser Vermögen steckt im Unternehmen“, sagt sie jetzt. Und dieses Unternehmen ist ebenso wie die kostspielig eroberte Conti hoch verschuldet und nicht mehr viel wert. Der gemeinsame Schuldenberg addiert sich auf 22 Milliarden Euro.

Seit 1996 ihr Ehemann und Firmengründer Georg Schaeffler starb, führt sie die Firmengruppe. Als Kriegsflüchtling von Prag nach Wien gekommen, wollte sie eigentlich Ärztin werden, heiratete dann aber den fränkischen Unternehmer und orientierte sich schnell um. Die Firma führte sie lange aus dem Hintergrund. Der Kauf von Conti zerrte die stets elegant gekleidete Dame voriges Jahr ins Licht der Öffentlichkeit. Damals galt sie noch als „listige Witwe“.

Von Anfang an war der Deal aber auf Kante genäht. Ein Abblasen der Conti-Übernahme ist rechtlich nun nicht mehr möglich. Die Krise stellt die Milliardärin vor eine schier unlösbare Aufgabe. „Ein ganz klares Nein“, hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück für die Frage übrig, ob der Bund über Schaeffler demnächst einen Finanzschirm aufspannen werde. Bleibt es dabei, könnte Geld damit nur von einem privaten Investor kommen, die angesichts der Branchenkrise nicht gerade Schlange stehen. Auch wenn ein solcher Retter kommt, würde die Wahl-Fränkin damit aber viel verlieren – im Zweifel die Kontrolle im eigenen Haus.

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