PORTRÄT MARIA-ELISABETH SCHAEFFLER UNTERNEHMERIN: : „Mein Mann wäre stolz auf mich“

Thomas Magenheim-Hörmann

Sie ist nicht nur eine der mächtigsten und reichsten, sondern zugleich eine der verschwiegensten und unbekanntesten Geschäftsfrauen Deutschlands: Das Ringen um den Autozulieferer Continental rückt Maria-Elisabeth Schaeffler nun in den Fokus. Auf einer Krisensitzung will Conti am kommenden Mittwoch alles dafür tun, um das Übernahmebegehren der Schaeffler-Gruppe zu verhindern.

Am Schaeffler-Firmensitz im fränkischen Herzogenaurach gilt die bald 66-Jährige als bodenständige und besorgte Konzernmutter. Wer mit ihr zu tun hat, stellt allerdings meist fest, dass die Milliardärin bekommt, was sie will. An die Spitze der Gruppe brachte die konservativ-katholisch erzogene Frau aus gutem Haus ein Schicksalsschlag. Als ihr Mann, Firmengründer Georg Schaeffler 1996 starb, übernahm sie das Sagen, was in der Männerwelt eines Industriebetriebs mit Nadellagern als Kernprodukt nicht selbstverständlich war. Kennengelernt hatte die gebürtige Pragerin, die ab ihrem dritten Lebensjahr in Wien aufwuchs, ihren Ehemann als Studentin. Die junge Frau wollte Ärztin werden, brach dann ihr Studium ab und zog als 22-Jährige verheiratet in die fränkische Provinz.

In Sichtweite der Schaeffler-Zentrale wohnt die stets elegant gekleidete Frau noch heute, wenn sie nicht am Zweitwohnsitz in Kitzbühel weilt. Schnell kam sie in der Männerwelt zurecht. Sie holte sich mit dem Schwaben Jürgen Geißinger 1998 einen erfahrenen Manager für das Tagesgeschäft. Charakterlich sind beide sehr verschieden. Das Duo wirkt wie die Schöne und das Biest, die Dame mit Wiener Charme auf der einen, der raubeinige Manager auf der anderen Seite. Die Gegensätze harmonieren. 1999 kaufen die Franken den Kupplungshersteller LuK, zwei Jahre später im Zuge einer feindlichen Übernahme die Schweinfurter FAG Kugelfischer.

Als Familienbetrieb wächst die Schaeffler-Gruppe zum profitablen Weltkonzern heran mit fast neun Milliarden Euro Umsatz und 66 000 Beschäftigten. „Sie arbeitet für das Unternehmen mit Herzblut“, erkennt Betriebsratschef Norbert Lenhard an. Als ein Mitarbeiter an Leukämie erkrankte, übernahm sie die Kosten für eine Suche nach Knochenmarksspendern. Das brachte der Matriarchin zusätzlichen Respekt. „Mein Mann wäre stolz auf mich“, urteilt die Schaeffler über sich. Bei geschätzt gut fünf Milliarden Euro Familienvermögen keine verwegene These. Thomas Magenheim-Hörmann

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