PORTRÄT MARIO MONTI WIRTSCHAFTSPROFESSOR: : „Das Problem ist Italien“

von
Foto: AFP
Foto: AFPFoto: AFP

Das letzte Mal hat er dem italienischen Regierungschef vor zwölf Tagen die Meinung gesagt. Öffentlich, kalt, präzise und entschieden. Der beim Europa-Gipfel in die Ecke gestellte Silvio Berlusconi polterte damals, der Euro habe als Währung „niemanden überzeugt“. Und auf der Titelseite des „Corriere della Sera“ konterte Mario Monti: „Herr Ministerpräsident, das Problem ist nicht der Euro. Das Problem ist Italien.“

Jetzt soll Mario Monti selbst die Geschicke seines Landes in die Hand nehmen. Alle wollen ihn als Übergangspremier: der Staatspräsident, die Opposition, die Wirtschaft, und am Ende – von den eigenen Leuten in die Kapitulation getrieben – hat sich selbst Berlusconi nicht mehr widersetzt. Weil der internationale Druck auf Italien unter Berlusconis früherer Verzögerungstaktik nicht nachgelassen hat, soll der Wechsel jetzt schnell gehen: Schon am Sonntag könnte Monti vom Präsidenten mit der Kabinettsbildung beauftragt werden.

Mario Monti gilt derzeit als stärkstmögliches Wendesignal Italiens und Europas an die Finanzmärkte, als erstklassige Versicherung gegen weitere Kurseinbrüche. Monti ist 68 Jahre alt – Wirtschaftsprofessor war er schon mit gut 30 Jahren geworden –, derzeit ist er Präsident der renommierten privaten Mailänder Wirtschaftsuniversität Bocconi. Seine wahre Statur aber hat Monti von 1994 bis 2004 als EU-Wettbewerbshüter bewiesen: Es gelang ihm, Microsoft in die Knie zu zwingen: Monti knöpfte dem amerikanischen Computer-Riesen eine Geldbuße von 497,2 Millionen Euro für die „Monopolisierung der Software- Märkte und die Verdrängung von Konkurrenten“ ab. Seither trägt er den Spitznamen „Super-Mario“.

Von der Seriosität des politischen Ansatzes, vom Verantwortungsgefühl für Europa her ist Mario Monti das Gegenteil von Berlusconi. Gleiches gilt für sein Auftreten: nüchtern, zurückhaltend, mit Bewusstsein dafür, was ein Mensch, der Institutionen zu vertreten hat, tun sollte und darf.

Am Mittwochabend, als Berlusconi noch zögerte, hat Napolitano Fakten geschaffen: Er ernannte Monti überraschend zum Senator auf Lebenszeit. Das war nicht nur das Vorspiel für die Beförderung zum Ministerpräsidenten, es war auch ein kluger Schachzug, um in der Regierungskoalition die letzten Vorbehalte gegen Monti auszuräumen. Ehrensenatoren nämlich kandidieren nicht bei Parlamentswahlen. Das heißt: Monti ist Übergangspremier. Danach dürfen die Parteien wieder ran. Paul Kreiner

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben