PORTRÄT MAX GIERMANN PARODIST : „Man muss lieben oder hassen“

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Parodist, das klingt schäbig, so schäbig wie Afterkünstler. Max Giermann ist Parodist, und er ist ein Verwandlungskünstler. Was er macht, das ist Hyperrealismus. Giermann destilliert, desillusioniert und dechiffriert nur Fernsehpromis, in der Pro-Sieben-Show „Switch Reloaded“. Sein Reinhold Beckmann, sein Stefan Raab, sein Hugo Egon Balder, die pumpt er nicht zu riesengroßen Witzfiguren auf, nein, Minimalist Giermann will mit schamler Gestik und Mimik den Kern einer TV-Größe bloßlegen. Schrecklich lustig, wenn da kein Kern ist.

Kai Pflaume, der die Kuppelshow „Nur die Liebe zählt“ für Sat 1 durchexerziert, hält es beispielsweise für die Spitze der Moderatorenkunst, wenn er jeder Liebesgeschichte durch eisernes Schweigen seine Empathie bezeugt. Max Giermann schweigt auch, aber er schweigt viel intensiver und noch bedeutungsvoller. Der Künstler hebt den Fernsehmann nur um Millimeter an – und plötzlich dröhnt eine Leere, dass dem Zuschauer um Kai Pflaume angst und bang wird.

Weglassen, das ist das Credo des gebürtigen Freiburgers, der sich an der Schauspielschule „Ernst Busch“ in Berlin auch zum Clown ausbilden ließ. Der 34-Jährige sucht nicht bevorzugt Opfer, er sagt: „Man muss die Leute lieben oder hassen, die man parodiert.“ Und der Zuschauer kann nicht wirklich entscheiden, was Giermann zur Auswahl eines Mario Barth geführt hat – war es Liebe, war es Hass? Vier Wochen nimmt sich der Verwandlungskünstler Zeit, ehe er sich dem Publikum mit seinen Echter-als-echt-Karikaturen präsentiert. Seit 2007 tritt er bei „Switch Reloaded“ auf, wo ihm nur Martina Hill und Michael Kessler das Wasser reichen können.

So viel Potenzial bleibt nicht verborgen. Martina Hill beispielsweise gehört mittlerweile zur „heute-show“, der ZDF-Nachrichtenparodie. Auch Max Giermann verbreitert seine Bühne. Vom kommenden Donnerstag an ist er Mitglied im „Harald Schmidt“-Ensemble. In der ARD-Show soll er Personen parodieren, die aktuell für Schlagzeilen gesorgt haben. Das ist eine neue Herausforderung für den Comedian, weil er damit Personal jenseits des TV-Personals rekrutiert. Karl-Theodor zu Guttenberg, unser aller Verteidigungsminister, ist überfällig.

Noch lacht die ARD über den Vorschlag, Max Giermann solle früher oder später die Rolle von Harald Schmidt in der Schmidt-Show übernehmen. Das käme den Gebührenzahler billiger, und witziger wäre es auch. Joachim Huber

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