• PORTRÄT MELANIE BÄHR NEUE BERLIN-PARTNER-CHEFIN: „Sie kommt als Erste und geht als Letzte“

PORTRÄT MELANIE BÄHR NEUE BERLIN-PARTNER-CHEFIN : „Sie kommt als Erste und geht als Letzte“

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Foto: promo
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Probleme mit dem Vergaberecht wird es bei Berlins Wirtschaftsfördergesellschaft wohl kaum mehr geben: Melanie Bähr, die am Freitag an die Spitze von Berlin Partner berufen wurde und ihr Amt schon am Montag antreten wird, ist Juristin und war bisher Geschäftsführerin für den Bereich „Recht und Fair Play“ bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin. Die 35-Jährige weiß also sehr genau, wann Dienstleistungen ausgeschrieben werden müssen. Ihr Vorgänger, René Gurka, war in die Kritik geraten, weil er Küchen- und Büromöbel bestellt und Aufträge für den Umbau von Geschäftsräumen der IHK erteilt hatte – gleich ganz ohne Ausschreibungen. Er hat seinen Rücktritt zum 14. Oktober erklärt und will die verbleibenden Tage für die „geordnete Übergabe“ nutzen.

Bähr stammt aus Bad Saarow, studierte Jura in Berlin und kam 2005 zur IHK, wo sie drei Jahre später zur Justiziarin aufstieg. Kollegen aus der Kammer spenden ihr viel Lob: „Sie kommt als Erste und geht als Letzte“, heißt es. Sie stecke „im Stoff“, sei eine „ausgeprägte Führungsfrau“, aber auch umgänglich und „menschlich in Ordnung“.

Als sich Bähr Ende August auf eine Ausschreibung bewarb, ahnte sie noch nicht, dass sie die Geschäfte vorerst alleine führen würde. Geplant war eine Doppelspitze, Gurka sollte im Amt bleiben. Zu diesem Zeitpunkt waren noch nicht alle Vorwürfe gegen ihn bekannt. In den kommenden Wochen wollen die Aufsichtsräte nun prüfen, „ob die Unternehmensleitung wie ursprünglich geplant erweitert wird“. In diesem Fall würde Bähr sich auf die Bereiche Finanzen, Organisationsstruktur und Compliance spezialisieren.

Eine Kernaufgabe der Agentur ist die Ansiedlung von Firmen aus aller Welt in der Stadt. Seit Anfang 2010 gibt es zudem einen „Unternehmensservice“ für bereits ansässige Betriebe. Die Mitarbeiter kooperieren dabei auch mit den Wirtschaftsförderungen der Bezirksämter. Der Senat unterstützt Berlin Partner mit jährlich etwa acht Millionen Euro, zu den Gesellschaftern zählt die landeseigene Investitionsbank. Melanie Bähr muss übrigens mit weiteren Veränderungen rechnen: Die IHK und einige Landespolitiker fordern seit langem, Berlin Partner mit der Technologiestiftung Berlin (TSB) zu fusionieren und eventuell auch die Tourismusgesellschaft Visit Berlin miteinzubeziehen. Den rund 130 Mitarbeitern von Berlin Partner stellte sich die neue Chefin am Freitag vor, öffentlich äußern wollte sie sich noch nicht. Cay Dobberke

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