PORTRÄT MICHAEL KOCAB TSCHECHISCHER MINISTER: : "Ich liebe die Roma"

Das Rampenlicht ist er gewöhnt, der neue tschechische Minister für Menschenrechte: Als Rockstar hat die Karriere von Michael Kocáb begonnen, mit langen Haaren und cooler Sonnenbrille tauchte der 54-Jährige in Musikvideos auf und hüpfte bei Konzerten wild über die Bühne.

Kilian KirchgeßnerD

Das Rampenlicht ist er gewöhnt, der neue tschechische Minister für Menschenrechte: Als Rockstar hat die Karriere von Michael Kocáb begonnen, mit langen Haaren und cooler Sonnenbrille tauchte der 54-Jährige in Musikvideos auf und hüpfte bei Konzerten wild über die Bühne. Ohne Zweifel ist er die schillerndste Figur im bürgerlich- konservativen Prager Kabinett. Dass er als Sänger eine politische Mission hat, daraus machte Kocáb allerdings nie einen Hehl: Schon während der „Samtenen Revolution“, die das Ende des kommunistischen Regimes einläutete, gehörte er zu den Wortführern des intellektuellen Widerstands.

Berühmt geworden ist Michael Kocáb schon in den 70er Jahren. Damals gründete er mit Freunden die Rockband „Prazsky vyber“ („Prager Auslese“), die immer wieder auch regimekritische Töne angestimmt hatte. Vor allem ein Live-Auftritt im tschechischen Fernsehen sorgte für politischen Zündstoff: Eigentlich war er als Musiker ins Studio eingeladen, dann aber sagte er seinen bis heute berühmtesten Satz – „jedes Volk hat die Regierung, die es verdient“. Damals war das eine unerhörte Provokation und für Michael Kocáb der Einstieg in die aktive Politik. Während des Umbruchs im Jahr 1989 verhandelte er, der Rockstar, erfolgreich mit den Offizieren der tschechoslowakischen Armee. Kurz darauf gehörte Kocáb zu den Mitgründern des oppositionellen Bürgerforums. 1989 war er es, der Václav Havel als neuen demokratischen Staatspräsidenten vorschlug. Bis 1992 war er Parlamentsabgeordneter, danach arbeitete er zehn Jahre lang als externer Berater im Team von Václav Havel.

Seine ersten Auftritte als Minister hat Kocáb jetzt in Anzug und Krawatte absolviert – ein Bild, an das sich die Tschechen wohl erst gewöhnen müssen. Zu den wichtigsten Aufgaben seines Ministeriums gehört traditionell die Integration der Roma-Minderheit. Tatsächlich galten die Vorgänger von Kocáb als überfordert mit ihrem Amt: So ist es bislang niemandem gelungen, an der Stelle des früheren Roma-KZ im böhmischen Ort Lety eine Gedenkstätte einzurichten. Lety ist deshalb zum Symbol für die Fehler in der Minderheitenpolitik aller bisherigen Regierungen geworden. Genau da will Michael Kocáb jetzt ansetzen – und überrascht mit seinem Tempo: Für den ersten Vorstoß, den häufig als Schandfleck bezeichneten Ort umzugestalten, hat er keine zwei Wochen gebraucht. Kilian Kirchgeßner

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