PORTRÄT MICHAEL BLOOMBERG, NEW YORKER BÜRGERMEISTER : "Ein hart erkämpfter Sieg"

Das Wahlergebnis war ein klarer Denkzettel der New Yorker für Bloomberg. Man wählte ihn zwar zögerlich wieder, weil die Stadt ihn letztlich für einen kompetenten Chef hält. Aber Bloomberg sollte auch wissen, dass man ihn nicht uneingeschränkt schalten und walten lässt.

Sebastian Moll

Es ist erst einige Monate her, dass Michael Bloomberg, Bürgermeister von New York, erklärte, die Stelle eines Ombudsmanns in der Stadtverwaltung sei reine Geldverschwendung. Am Mittwoch, dem Tag nach Bloombergs zweiter Wiederwahl, sah man ihn allerdings ausgerechnet mit Bill de Blasio, dem derzeitigen Inhaber der Stelle, beim Mittagessen in einem Restaurant auf der Lower East Side in Manhattan sitzen. Es war eine ungewohnte Geste der Demut für Bloomberg, dem stets ein autoritärer und selbstherrlicher Führungsstil nachgesagt wurde. „Bloomberg hört auf niemanden“, hatte erst vergangene Woche ein anonymer Vertrauter dem „New York Magazine“ gestanden.

Der Grund für den Kniefall vor dem Bürgerbeauftragten war offensichtlich. Bloomberg hatte die Wahl vom Dienstag zwar gewonnen, doch das Ergebnis war peinlich knapp für den Amtsinhaber, der 90 Millionen Dollar aus seinem auf 13 Milliarden geschätzten Privatvermögen in den Wahlkampf gepumpt hatte. Bloombergs Herausforderer William Thompson, der auch noch als ziemlich blasser Kandidat galt, hatte gerade einmal fünf Millionen ausgegeben. Und doch siegte Bloomberg mit weniger als fünf Prozent Vorsprung, wichtige Stadtteile wie Brooklyn oder die Bronx verlor er haushoch. Er selbst sprach von einem „hart erkämpften Sieg in einem schwierigen Jahr“.

Das Wahlergebnis war ein klarer Denkzettel der New Yorker für Bloomberg. Man wählte ihn zwar zögerlich wieder, weil die Stadt ihn letztlich für einen kompetenten Chef hält. Aber Bloomberg sollte auch wissen, dass man ihn nicht uneingeschränkt schalten und walten lässt. Verärgert hatte die New Yorker vor allem eines – dass er kandidierte, obwohl das Amt des Bürgermeisters eigentlich auf zwei Wahlperioden begrenzt ist. Seine Argumentation, dass er der einzige sei, der New York durch diese schweren Zeiten steuern könne, klang in den Ohren der notorisch skeptischen New Yorker arrogant.

Die Art und Weise, wie er durch machiavellistische Machtpolitik und mit einem schier unbegrenzten Scheckbuch den Widerstand gegen seine Notstandsgesetzgebung brach, stieß bei der Bevölkerung nur auf verhaltene Zustimmung. In Medienberichten vor der Wahl wurde er einhellig als selbstherrlicher Monarch dargestellt. Mit immer mehr Details konnten Reporter belegen, wie er über Jahre durch geschickte Spendenpolitik fast alle Interessengruppen der Stadt in Beschlag genommen hatte. 235 Millionen Dollar teilt Bloomberg pro Jahr an gemeinnützige Organisationen von Bürgerrechtsgruppen über Museen bis hin zu Gewerkschaften aus. Das fand man am Hudson-River unappetitlich. Wiedergewählt wurde er trotzdem. In den kommenden vier Jahren wird man ihm aber sehr genau auf die Finger schauen. Sebastian Moll

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben