• PORTRÄT MICHAEL MRONZ SPORT-VERMARKTER:: „500 000 Tickets – davon rücken wir nicht ab“

PORTRÄT MICHAEL MRONZ SPORT-VERMARKTER: : „500 000 Tickets – davon rücken wir nicht ab“

Der Schlussspurt muss rekordverdächtig sein: Bisher hat Michael Mronz noch nicht genug Tickets für die Leichtathletik-WM verkauft

Friedhard Teuffel
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Foto: ddpddp

Ob auch Michael Mronz zu den Siegern bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften gehören wird, steht erst am übernächsten Sonntag fest. Ein neun Tage lang voll besetztes Berliner Olympiastadion wäre sein Erfolg; reihenweise unbesetzte Plätze wären seine Niederlage. Der Rheinländer hat sich die Verantwortung für die Vermarktung dieser WM übertragen lassen, es ist sein bisher größter Auftrag.

Die Welt-Reiterspiele in Aachen hat der 42-Jährige organisiert und den Köln-Marathon, ebenso Veranstaltungen mit Stefan Raab, in denen Sport als spaßige Unterhaltung aufgeführt wird. Und nun die alte, ernste Leichtathletik. Humorlos trifft ihn seit Monaten Kritik: Von der WM sei zu wenig zu sehen, zu wenig Werbung, zu wenig Aktion, da sei es kein Wunder, dass nicht mehr Eintrittskarten verkauft werden. Das bekommt Mronz aus verschiedenen Ecken zu hören, von Athleten, von Kommentatoren in Medien und auch von Leuten, die gerne selbst den Zuschlag für die Vermarktung bekommen hätten.

Mronz geht vor der Kritik nicht in Deckung, er bleibt stehen mit einer scheinbar unerschütterlichen Freundlichkeit. „In einer Situation, die sich zuspitzt, werde ich eigentlich eher noch ruhiger“, sagt er und wiederholt sein Wettkampfziel für Berlin: „500 000 Tickets, davon rücken wir nicht ab.“ Bis zum Wochenende waren es etwas mehr als 300 000 verkaufte Karten. Der Schlussspurt muss schon rekordverdächtig ausfallen.

In der Leichtathletik verfügt Mronz allenfalls über ein gesundes Halbwissen, dafür hält er sein Vermarktungskonzept für klug. „Früher wurde Euphorie am Austragungsort erzeugt, und die hat sich dann von dort ausgebreitet. Wir haben es umgekehrt gemacht.“ Sein Team hätte mit der Werbung im Ausland angefangen, dann in Deutschland weitergemacht und nehme sich erst am Schluss Berlin vor. „Die Berliner und Brandenburger sind es gewohnt, dass sie an der Tageskasse noch Tickets bekommen.“ Das Einzige, was Mronz an Fehlern einräumt, sind „Justierungen“ bei der Werbung für einzelne verkaufsschwache Tage.

Bei seinem Urteil über Berlin ist sich Mronz sicher, weil er seit sechs Jahren tageweise in der Stadt wohnt – als Lebensgefährte des FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle. Seine private Verbindung baut Mronz manchmal in einen Nebensatz ein, beiläufig, aber doch unüberhörbar. Wie sehr ihm seine Beziehung zu Westerwelle bei seiner Aufgabe geholfen hat? „Die Politik identifiziert sich mit solchen Veranstaltungen, unabhängig von irgendeiner Partei. Ich glaube nicht, dass die Nähe zu Guido Westerwelle irgendeinen Einfluss hatte.“ Es könnte Mronz die Aufgabe eher erleichtert haben, dass er es in Berlin mit einem rot-roten Senat zu tun hat. Die Zusammenarbeit mit einem Innensenator seiner FDP hätte ihn sicher dem Vorwurf der Kungelei ausgesetzt. Es ist schließlich viel öffentliches Geld im Spiel. Der Senat unterstützt die Veranstaltung mit 20 Millionen Euro.

Verdient haben dürfte Mronz mit seiner Agentur an dieser WM auf jeden Fall einiges, denn er hat dabei geholfen, die zwölf Sponsoren zu gewinnen. Von der international erfolgreichen Agentur Infront hatte sich das Organisationskomitee dafür selbstbewusst getrennt. Öffentlich gemessen wird Mronz jedoch an den verkauften Eintrittskarten. „Entscheidend wird sein, ob gleich an den ersten Tagen eine elektrisierende WM- Stimmung entsteht“, sagt er. Deutsche Medaillen hält Mronz immer noch für das beste Werbemittel. Friedhard Teuffel

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